Kondome schützen

… zuverlässig und günstig vor HIV: Beim Anal- und Vaginalverkehr oder beim Spielen mit Sextoys (wenn diese von mehreren Personen benutzt werden). Für jede(n) neue(n) Partner*in und Körperöffnung ein frisches Kondom verwenden!

Der Schutz von Kondomen in Bezug auf Sexuell übertragbare Erkrankungen (STI / „Geschlechtskrankheiten“) wird häufig überschätzt. Kondome bieten lediglich einen Teilschutz vor einer Ansteckung mit STI. Wer häufig Sex mit wechselnden Partner*innen hat, sollte sich daher regelmäßig auf STI testen lassen.

Wichtig: Richtige Kondomgröße und das Ablaufdatum beachten! Keine alten oder porösen Gummis benutzen und das richtige Gleitmittel verwenden!

Qualität

  • Ablaufdatum beachten. Ein Kondom, das dieses Datum überschritten hat, sollte nicht mehr verwendet werden!
  • CE-Prüflogo. Geprüfte Kondome haben ein Zertifikat: Entweder das OK-Gütesiegel oder das CE-Symbol.

Lagerung

  • Kondome vor Hitze (z. B. direkter Sonne) und Druck schützen (deshalb nicht längere Zeit im Portemonnaie oder in der Hosentasche aufbewahren).

Größe

  • Ein Kondom in der richtigen Größe sollte sich problemlos abrollen lassen und sitzen, ohne zu kneifen oder herumzuflattern. Ausprobieren! Zu große Gummis rutschen eher ab. Zu enge Kondome schneiden ein, werden überdehnt und reißen leichter. Kondome guter Marken sind in verschiedenen Größen erhältlich.

Gleitmittel erleichtern beim Sex das Eindringen von Penis, Fingern oder Sextoys. Beim Analverkehr mit Kondom ist viel Gleitmittel nötig, damit es schön flutscht und das Präservativ nicht reißt.

Für den Sex mit Kondomen sind nur wasserlösliche oder Gleitmittel auf Silikonbasis geeignet. Fetthaltige oder ölige Gleitmittel (wie etwa Vaseline, Baby-Öl oder Handcreme) greifen Latex an. Auch ohne sichtbare Schäden werden Kondome dann durchlässig und reißen eher.

Auch Spucke ist kein geeignetes „Schmiermittel“. Der Speichel trocknet schnell aus und kann Erreger von Geschlechtskrankheiten (STI) übertragen.

Wenn der Penis oder die Vagina nach dem Sex krebsrot wird und juckt, dann handelt es sich wahrscheinlich um eine „Latex-Allergie“. Für diesen Fall gibt es latexfreie Präservative aus Polyurethan oder Polyisopren.

Es ist jedoch auch möglich, dass die feuchte Beschichtung die Allergie auslöst. Hier können trockene („unbeschichtete“) Gummis in Verbindung mit einem geeigneten Gleitmittel Abhilfe schaffen.

Wenn alles nichts hilft, sollte die Allergie vom medizinischen Fachpersonal abgeklärt werden.

Ein ganz klares: Jein!

Beim Vaginal- und Analverkehr bieten Kondome einen sicheren Schutz vor HIV (Safer Sex). Mit sexuell übertragbaren Erkrankungen (STI/Geschlechtskrankheiten) kann man sich aber sehr viel leichter anstecken! Hier können Kondome bestenfalls das Risiko der Übertragung senken, beispielsweise wenn sie den Kontakt mit infektiösen Schleimhäuten und ansteckenden Hautveränderungen verringern.

Mit Syphilis, Tripper und Co. kann man sich auch schon beim Blowjob (selbst ohne Ejakulation), beim gegenseitigen Petting und Fingerspielen, beim Rimming oder sogar beim Küssen anstecken – Kondome nützen da wenig.

Auch wer Kondome benutzt, sollte sich bei wechselnden Sexpartner*innen mindestens einmal im Jahr auf sexuell übertragbare Erkrankungen testen lassen!

Femidome sind im Grunde auch Kondome – allerdings werden sie nicht von außen übergerollt, sondern in den Körper eingeführt. Die „internen“ (= innenliegenden) Kondome können in die Vagina, das Fronthole1 oder in den Enddarm eingebracht werden. Damit bieten sie beispielsweise auch Frauen und trans*-Männern eine Möglichkeit, sich selbstbestimmt vor HIV zu schützen.

Gleitmittel können hilfreich sein, wenn beim Sex das interne Kondom verrutscht oder sich der Penis nicht gut darin bewegen kann. Es kann vor dem Einsetzen innen und außen auf das interne Kondom oder auf den Penis aufgetragen werden.

Auch wenn man ganz auf Nummer sicher gehen will: Ein internes und ein „äußerliches“ Kondom gleichzeitig zu verwenden, ist keine gute Idee. Die Reibung des Materials erhöht sogar das Risiko, dass sie kaputtgehen.

Übrigens: Interne Kondome können im Unterschied zu anderen Kondomen schon einige Stunden vor dem Sex eingeführt werden.

In diesem Fall sollte auf keinen Fall eine Darm-, Vaginal-, oder Fronthole1-Spülung durchgeführt werden: Durch den Wasserdruck kann HIV noch tiefer in die Schleimhäute eindringen. Darüber hinaus besteht ein Risiko, dass die eingeführten Spülgerätschaften die Schleimhäute verletzen und so zusätzliche Eintrittspforten für HIV verursachen.

Der eindringende Partner kann als Sofortmaßnahme seinen Penis bei zurückgezogener Vorhaut sanft abbrausen, um HIV-haltige Sekrete abzuspülen. Anschließend trockentupfen, nicht rubbeln!

Ein hängengebliebenes Kondom kann in der Regel vorsichtig mit den Fingern aus der Vagina oder dem Fronthole1 herausgeholt werden. Hängt das Kondom im Enddarm fest, wird es meist ganz von selbst wieder das Licht der Welt erblicken. Hektische Bergungsversuche mit eingeführten Hilfsmitteln (z. B. Gabeln oder Pinzetten) verschlimmern die Situation nur. Früher oder später wird das Gummi durch die Darmbewegung oder den Stuhlgang ausgeschieden.

Eine rasch eingeleitete PEP kann das Risiko einer Ansteckung mit HIV höchstwahrscheinlich abwenden.

1Fronthole: („vorderes Loch“) Eine von vielen trans* Männern gewählte Bezeichnung für das nicht operativ angeglichene Geschlechtsorgan.