HIV und Aids in Köln

Weltweit leben rund 38.000.000 Menschen mit HIV/Aids. Jede Minute infizieren sich mehr als drei weitere Menschen neu mit dem HI-Virus – und das nicht nur in Osteuropa oder auf dem afrikanischen Kontinent. Auch in Köln ist die Gefahr noch nicht gebannt: Durchschnittlich bekommen in Köln 10 Menschen pro Monat ein positives Testergebnis mitgeteilt. Die Anzahl der HIV-Neudiagnosen ist seit dem Jahr 2017 wieder leicht angestiegen und wird Prognosen zufolge in den nächsten Jahren weiter steigen.

Die Zahl der Neudiagnosen sagt allerdings nichts über den Zeitpunkt der Ansteckung aus, sondern nur wann sie festgestellt wurde. Der eigentliche Zeitpunkt der Infektion kann also bereits viele Jahre zurückliegen. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts in Berlin ist jede dritte HIV-Diagnose in Deutschland eine so genannte „Spätdiagnose“. Das bedeutet, dass die Betroffenen erst im weit fortgeschrittenem Stadium von ihrer Infektion erfahren – oder wenn bereits Aids-Symptome ausgebrochen sind. Bei späten oder sogar Aids-Diagnosen ist jedoch nicht immer gewährleistet, dass die Patienten noch im vollen Umfang von den modernen HIV-Therapien profitieren können.

Deswegen sind zielgruppenspezifische Präventionsprojekte weiterhin zwingend notwendig, um möglichst vielen Menschen einen besonders niedrigschwelligen und einfachen Zugang zu einer Beratung und zu einem HIV-Test zu ermöglichen. Der Checkpoint der Aidshilfe Köln bietet nicht nur Beratungs- und Testmöglichkeiten zu HIV, sondern auch zu anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen, welchen in Bezug auf die HIV-Infektion eine „Schrittmacher-Funktion“ zukommt, da sie das HIV-Übertragungsrisiko erhöhen.

Leben mit einer HIV-Infektion

Die Diagnose HIV-positiv hat für die meisten Betroffenen nicht nur gesundheitliche, sondern auch schwerwiegende soziale Folgen: Stigmatisierung und Ausgrenzung, die heute leider immer noch an der Tagesordnung sind, führen nicht selten zu Isolation, Ängsten und Depressionen.
Häufig erleben Menschen mit HIV nicht nur eine Abwertung aufgrund ihrer HIV-Infektion selbst, sondern werden zusätzlich noch aus anderen Gründen diskriminiert, zum Beispiel aufgrund von Homo- / Transsexualität, eines Migrationshintergrundes oder ihres Drogengebrauches.
Kommen noch weitere Erschwernisse hinzu, wie beispielsweise Armut, fehlende Ausbildung, Arbeitslosigkeit und eine unzureichende oder gefährdete Wohnsituation, können sich daraus schnell Notlagen entwickeln, die Betroffene nicht mehr allein bewältigen können.

Hier setzen die verschiedenen Hilfs- und Unterstützungsangebote der Aidshilfe Köln an, wie beispielsweise die Offene Beratungs-Sprechstunde, die Sozialsprechstunde, die Angebote des Frauen- und Familien-Zentrums oder des ambulant betreuten Wohnens.

Immer mehr Menschen leben in Köln mit dem Virus – gerade auch wegen der durch Medikamente verbesserten Lebensqualität und deutlich längerer Lebenserwartung. Da Menschen mit HIV und Aids immer älter werden, benötigen sie aber auch immer häufiger Unterstützung bei Entscheidungen zur Altersversorgung, geeigneter Pflege und Fragen des Lebens im Alter in Wohnheimen oder anderen alternativen Wohnformen. Bezahlbarer Wohnraum ist in Köln nicht ausreichend vorhanden. Deswegen betreibt die Aidshilfe einige Wohnprojekte.