Happy Sexlife Workshops

Workshops und -Meetings für schwule, bisexuelle und queere Männer

Das Nachtleben ist runtergefahren oder ausgeschaltet, die Szenelocations können nur unter strengen Auflagen wieder öffnen und öffentliche Cruising-Events finden derzeit nicht statt. Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 hat die ganze Welt im Griff und mit ihr auch die schwule Szene und Community. Im Mittelpunkt der Verhinderung einer massiven Ausbreitung von Covid-19-Erkrankungen steht das Verhältnis der Körper zueinander. Die Maßnahmen zur Krankheitseindämmung gehen nicht nur mit der bloßen Einschränkung des öffentlichen Lebens und der individuellen Lebensführung einher, sondern sie nehmen dabei eben auch Einfluss auf die Sexualität und die Beziehungen fast aller Menschen. Viele müssen im Moment mit Isolation, Einsamkeit und Zukunftsängsten umgehen – und ihr soziales und sexuelles Leben mit reduzierten oder minimierten Kontakten ausleben. Die Auseinandersetzung mit den eigenen sexuellen Bedürfnissen und deren Befriedigung hat sich dabei ganz sicher verändert und verkompliziert – vielleicht aber auch vereinfacht?

Nicht wenige schwule Männer sind daher im Moment mit der Frage beschäftigt, wie sie ihr sexuelles und soziales Leben zufriedenstellend organisiert kriegen. Auch wenn körperliches Beisammensein in Gruppen im Moment nicht möglich ist, wollen wir unsere im letzten Jahr gestartete, sexualpädagogische Workshop-Reihe „Happy Sexlife – Wie geil ist das denn?!“ fortsetzen – unter anderen und neuen Bedingungen.

In drei virtuellen Kurz-Workshops wollen wir uns zu diesen Fragen austauschen:

Wie geht’s uns schwulen, bisexuellen und queeren Männern in der Coronakrise und wie gehen wir mit den derzeitigen Einschränkungen und Belastungen um? Welche Auswirkungen hat die momentane Situation auf unsere Sexualität? Und wie geht Sexualität in Zeiten der Covid-19-Pandemie?

Workshop-Termine 2020

Derzeit keine Termine.

Teilnehmen können maximal 10 Personen. Anmeldung im Vorfeld bis jeweils 2 Tage vor den Workshops unter: aleksej.urev@rubicon-koeln.de

Workshopleiter und Moderator ist Marco Kammholz. Er ist Sexualpädagoge (gsp) und bietet sexuelle Bildungsveranstaltungen für Erwachsene an, insbesondere zur Sexualität schwuler Männer. Die Veranstaltungen laden zum Austausch über die persönliche Situation ein. Außerdem wird es kurze Inputs geben. Die Workshops richten sich an alle schwulen, bisexuellen und queeren Männer ab 18 Jahren. Sie finden in deutscher Sprache statt. Auf ausreichend Pausenzeiten wird geachtet.

Die Veranstaltungen finden in der Aidshilfe Köln oder digital via Zoom statt! Hierfür benötigt ihr eine stabile Internetverbindung, Kamera und Mikro (im besten Fall Kopfhörer). Alle Infos zum Tool, zum Datenschutz und zu Online-Meetings bekommt ihr nach der Anmeldung.

Die Reihe „Fucking Corona – schwuler Sex in der Krise“ ist eine Kooperation des Checkpoint der Aidshilfe Köln, dem rubicon und Herzenslust NRW. Wir danken der Aidshilfe NRW für die Förderung im Rahmen der zielgruppenspezifischen Prävention.

Interview mit Marco Kammholz, Sexualpädagoge (gsp)

Marco Kammholz, Sexualpädagoge (gsp)

Der Checkpoint der Aidshilfe Köln bietet gemeinsam mit Marco Kammholz eine ganze Reihe neuer Workshops an. Der Sexualpädagoge steht für lustbetonende und originelle Workshop-Formate. Wir haben für euch nachgefragt.

Deine Reihe mit dem Checkpoint trägt den Titel ‚Wie geil ist das denn?!‘. Was kann man sich darunter vorstellen?

Zunächst einmal kann man sich darunter unendlich viel vorstellen. Denn was Leute geil finden, geht wirklich gegen unendlich! Mit den ‚Happy-Sexlife-Workshops‘ machen wir sexuelle Phänomene zum Thema, die schwule und bisexuelle Männer und die Szene beschäftigen. Die kostenfreien Workshops gehen jeweils etwa vier Stunden, teilnehmen können bis zu 15 Personen, 18 Jahre alt sollte man sein.

Und welche Themen kommen dann in den Workshops vor?

Wir legen direkt mit Analverkehr los! Aber natürlich nicht im praktischen Sinne. Bei den Workshops finden keine sexuellen Handlungen statt. Aber es geht um sexuelle Sprache, sexuelle Rollen, Anatomie und Tipps&Tricks rund um das Thema Analverkehr. Die zweite Veranstaltung widmet sich schwulem Sex- und Cruising-Orten, die ja wahlweise angehimmelt oder verteufelt werden. Dafür treffen wir uns auch direkt vor Ort in der Station2b. Im folgenden Workshop geht es um die liebe Lust und die ganz und gar nicht uninteressante Frage: „Worin bin ich sexuell richtig gut?“. Nicht zuletzt wollen wir uns dem „Bettgeflüster“, also sexuelle Kommunikation widmen. Wie finde ich die richtigen Worte, die weder peinlich noch gestelzt klingen, damit ich im Bett nicht sprachlos bleiben muss? Und auch wenn es schwule oder Bi-Männer vielleicht nicht mehr hören können: Wir kommen beim Thema Sex nicht darum herum, auch über Schutz zu sprechen, zu verhandeln oder zu streiten. Verändern hier neue Schutzstrategien wie etwa die PrEP unsere sexuelle Kommunikation?

Was beabsichtigt ihr mit der Reihe und den Workshops?

Ein kluger Kopf schrieb einmal: „Sexualität ist ein Wert an sich!“. Sich über das Wertvolle und Wichtige, aber auch über Zweifel und Fragen rund um Sex auszutauschen, lohnt sich in jedem Fall. Mit der Reihe wollen wir natürlich unseren Beitrag dazu leisten, dass Schwule miteinander zu schwuler Sexualität und schwulem Leben ins Gespräch kommen. Vor allem der schwulen Szene wird, nicht zu Unrecht, Promiskuität, wilder Sex und Freizügigkeit nachgesagt – schämen sollte man sich dafür jedenfalls nicht! Sich mit anderen Männern zu schwuler Sexualität und auch zur eigenen Sexualität auszutauschen, das kann sich tatsächlich lohnen. Und in gewisser Weise auch ein Teil von sexuellem Glück und eines ‚Happy Sexlife‘ sein – oder zumindest dazu verhelfen!

Marco, du bist Sexualpädagoge. Direkt gefragt: wie und warum wird man das denn bitte?

Sexualpädagog*innen machen nicht mehr als, dass sie das Thema Sexualität, in all seinen Facetten, in pädagogischen Angeboten thematisieren. Soll heißen: „Drüber reden“ und etwas dabei lernen! Vermutlich sind diejenigen Pädagog*innen sexualpädagogisch tätig, die sich besonders für Sexualität und eben die sexuelle Bildung ihrer Zielgruppen interessieren. Sich sexuell zu bilden, heißt selbstverständlich auch, sich für sich selbst zu interessieren. Man muss sich schon kennenlernen wollen, um andere dazu einladen zu können, über ihre Sexualität nachzudenken. Ist meine eigene Sexualität dadurch besonders außergewöhnlich? Vermutlich nicht. Bin ich deshalb besonders schamlos? Ganz und gar nicht! Macht das meine pädagogische Arbeit spannender? Absolut!