Happy Sexlife. Workshops zu sexueller Zufriedenheit für schwule, bisexuelle und queere Männer.

Viele sexuell aktive Menschen wissen: Sexuelle Zufriedenheit verschafft Lebensgenuss und verfeinert und erleichtert das eigene Leben. Aber was macht mich und was macht Andere eigentlich sexuell zufrieden? Was brauche ich dafür, warum ist das so und was will ich sexuell vom Leben?

Obwohl Sexualität ein lebenslanges Unterfangen ist, das Wünsche und Fantasien, Beziehungen, Identität, Sex und vieles mehr umfasst, sprechen die meisten Menschen schlichtweg nicht oder nur kaum über ihre Sexualität.

In der Reihe „Happy Sexlife“ finden sexuelle Bildungsangebote für Erwachsene statt. In den Workshops kommen schwule, bisexuelle und queere Männer über schwule Sexualität miteinander ins Gespräch. In kleiner, moderierter Runde mit unterschiedlichen methodischen Formaten wollen wir schwule Sexualität, schwules Leben, schwule Szene und die Lust und den Frust, die mit ihnen einher gehen (können), zum Thema machen.

TERMINE

Sie werden begehrt und beneidet, abgelehnt und angehimmelt: Die schwulen Saunas, Darkrooms und Cruising-Orte verleihen Gebäuden, Ecken, Kellern, dunklen Räumen und ihren Besuchern sexuelle Anziehungskraft. Doch was wird an diesen Orten eigentlich gesucht – und was wird gefunden? Geht es „nur“ um schnellen Sex, reizt die Anonymität und Dunkelheit und steigert sich vor allem die Lust? Und unterscheiden sich denn die Fantasien, Wünsche und Praktiken beim Cruising von der Sexualität außerhalb von Sex-Orten?

Fragen über Fragen! Im Austausch mit anderen schwulen, bisexuellen und queeren Männern wollen wir über Lust und Frust der (halb)öffentlichen Sexualität in Sex- und Cruisingorten sprechen. Der Workshop richtet sich an alle Männer, egal ob mit Cruising-Erfahrung oder ohne. 

Datum: 2. Oktober 2021
Uhrzeit: 16-20 Uhr
Veranstaltungsort: Pullermanns, Matthiasstraße 22 

Die schwule Szene bietet mitunter mannigfaltige Möglichkeiten für sexuelle Abendteuer. Verwirklicht sich dabei Lust, so geht dies meist mit Genuss und Vergnügen einher. Dort wo Menschen Spaß suchen und finden und sich vergnügen, können sie sich aber ebenso gut verletzen (lassen), kränken und im schlechtesten Fall Gewalt antun.

So kann die Erfahrung einer Grenzübertretung sowohl äußerst lustvoll als auch extrem verunsichernd und belastend erlebt werden. Wenngleich Erfahrungen sexueller Grenzverletzungen auch in der schwulen Szene gemacht werden, findet wenig Austausch über sexuelle Selbstbestimmung und schwule Sexualität statt. Im Workshop laden wir dazu ein, über sexuelle Selbstbestimmung, Verhandlung, Konsens und Lust ins Gespräch zu kommen.

Datum: 13. November 2021
Uhrzeit: 12-18 Uhr
Veranstaltungsort: rubicon, Rubensstr. 8-10, 50676 Köln

Als Schutzstrategien gegenüber einer Ansteckung mit oder Übertragung von HIV stehen schwulen, bisexuellen und queeren Männern mittlerweile mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Mit dem Schlagwort „Safer Sex 3.0“ wird auf die Nutzung von Kondomen, PrEP oder Schutz durch Therapie verwiesen.

Im Workshop wollen wir zunächst kurz Wirkweise und Anwendung der verschiedenen Schutzstrategien besprechen. Im zweiten Teil wollen wir uns komplizierteren Fragen widmen: Welche Schutzstrategie passt für mich? Oder passt es im Angesicht neuer Möglichkeiten eben nicht mehr? Was hat sich durch die Vervielfältigung und Medikalisierung der HIV-Prävention und -Behandlung verändert? Was bedeutet das für die eigene Sexualität?

Datum: 4. Dezember 2021
Uhrzeit: 16-20 Uhr
Veranstaltungsort: Checkpoint der Aidshilfe Köln, Pipinstraße 7, 50667 Köln

Die kostenfreien Workshops richten sich an schwule, bisexuelle und queere Männer ab 18 Jahren. Körperübungen und sexuelle Handlungen finden in den Workshops nicht statt. Die Veranstaltungen finden in deutscher Sprache statt und werden geleitet von Marco Kammholz – Sexualpädagoge (gsp) und Sexualberater.

Anmeldung im Vorfeld bis jeweils 2 Tage vor den Workshops unter: aleksej.urev@rubicon-koeln.de

Die Reihe ist eine Kooperation des Checkpoint der Aidshilfe Köln, dem Beratungszentrum rubicon und der Präventionskampagne Herzenslust NRW der Aidshilfe NRW.

Interview mit Marco Kammholz, Sexualpädagoge (gsp)

Marco Kammholz, Sexualpädagoge (gsp)

Der Checkpoint der Aidshilfe Köln bietet gemeinsam mit Marco Kammholz eine ganze Reihe neuer Workshops an. Der Sexualpädagoge steht für lustbetonende und originelle Workshop-Formate. Wir haben für euch nachgefragt.

Deine Reihe mit dem Checkpoint trägt den Titel ‚Wie geil ist das denn?!‘. Was kann man sich darunter vorstellen?

Zunächst einmal kann man sich darunter unendlich viel vorstellen. Denn was Leute geil finden, geht wirklich gegen unendlich! Mit den ‚Happy-Sexlife-Workshops‘ machen wir sexuelle Phänomene zum Thema, die schwule und bisexuelle Männer und die Szene beschäftigen. Die kostenfreien Workshops gehen jeweils etwa vier Stunden, teilnehmen können bis zu 15 Personen, 18 Jahre alt sollte man sein.

Und welche Themen kommen dann in den Workshops vor?

Wir legen direkt mit Analverkehr los! Aber natürlich nicht im praktischen Sinne. Bei den Workshops finden keine sexuellen Handlungen statt. Aber es geht um sexuelle Sprache, sexuelle Rollen, Anatomie und Tipps&Tricks rund um das Thema Analverkehr. Die zweite Veranstaltung widmet sich schwulem Sex- und Cruising-Orten, die ja wahlweise angehimmelt oder verteufelt werden. Dafür treffen wir uns auch direkt vor Ort in der Station2b. Im folgenden Workshop geht es um die liebe Lust und die ganz und gar nicht uninteressante Frage: „Worin bin ich sexuell richtig gut?“. Nicht zuletzt wollen wir uns dem „Bettgeflüster“, also sexuelle Kommunikation widmen. Wie finde ich die richtigen Worte, die weder peinlich noch gestelzt klingen, damit ich im Bett nicht sprachlos bleiben muss? Und auch wenn es schwule oder Bi-Männer vielleicht nicht mehr hören können: Wir kommen beim Thema Sex nicht darum herum, auch über Schutz zu sprechen, zu verhandeln oder zu streiten. Verändern hier neue Schutzstrategien wie etwa die PrEP unsere sexuelle Kommunikation?

Was beabsichtigt ihr mit der Reihe und den Workshops?

Ein kluger Kopf schrieb einmal: „Sexualität ist ein Wert an sich!“. Sich über das Wertvolle und Wichtige, aber auch über Zweifel und Fragen rund um Sex auszutauschen, lohnt sich in jedem Fall. Mit der Reihe wollen wir natürlich unseren Beitrag dazu leisten, dass Schwule miteinander zu schwuler Sexualität und schwulem Leben ins Gespräch kommen. Vor allem der schwulen Szene wird, nicht zu Unrecht, Promiskuität, wilder Sex und Freizügigkeit nachgesagt – schämen sollte man sich dafür jedenfalls nicht! Sich mit anderen Männern zu schwuler Sexualität und auch zur eigenen Sexualität auszutauschen, das kann sich tatsächlich lohnen. Und in gewisser Weise auch ein Teil von sexuellem Glück und eines ‚Happy Sexlife‘ sein – oder zumindest dazu verhelfen!

Marco, du bist Sexualpädagoge. Direkt gefragt: wie und warum wird man das denn bitte?

Sexualpädagog:innen machen nicht mehr als, dass sie das Thema Sexualität, in all seinen Facetten, in pädagogischen Angeboten thematisieren. Soll heißen: „Drüber reden“ und etwas dabei lernen! Vermutlich sind diejenigen Pädagog:innen sexualpädagogisch tätig, die sich besonders für Sexualität und eben die sexuelle Bildung ihrer Zielgruppen interessieren. Sich sexuell zu bilden, heißt selbstverständlich auch, sich für sich selbst zu interessieren. Man muss sich schon kennenlernen wollen, um andere dazu einladen zu können, über ihre Sexualität nachzudenken. Ist meine eigene Sexualität dadurch besonders außergewöhnlich? Vermutlich nicht. Bin ich deshalb besonders schamlos? Ganz und gar nicht! Macht das meine pädagogische Arbeit spannender? Absolut!