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PrEP – Infos und Beratung2019-05-10T13:39:53+02:00

PrEP – Informationen und Beratung

Neben Kondomen und Schutz durch Therapie ist die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) die dritte Safer-Sex-Methode, die wirkungsvoll und zuverlässig vor einer Ansteckung mit HIV schützt. Bei der PrEP nehmen HIV-negative Menschen vorbeugend Medikamente ein, um sich so vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Aber einfach nur „…ein paar Pillen schmeißen“ reicht nicht aus. Wer die PrEP anwendet, sollte sich vorher unbedingt informieren und beraten lassen.

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Was ist PrEP?

PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe und bedeutet in etwa „Vor-Risiko-Vorsorge“. Negative nehmen dabei vorbeugend HIV-Medikamente ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Die Medikamente befinden sich dann in bestimmter Konzentration im Blut sowie den Schleimhäuten und verhindern, dass sich HIV vermehren kann. Selbst wenn beim Sex also einzelne Viren übertragen werden, kann sich HIV nicht mehr weiter ausbreiten und im Körper festsetzen: Man bleibt HIV-negativ.

Welche Medikamente und wie werden sie eingenommen?

In Deutschland sind lediglich das Medikament Truvada® und baugleiche Nachahmer-Präparate („Generika“) zur täglichen Einnahme als PrEP zugelassen. Die Kombi-Pille enthält gleich zwei Wirkstoffe (Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil), die HIV an der Vermehrung in den Körperzellen hindern.

Tägliche PrEP

Zu der Dauer-PrEP mit täglicher Einnahme einer Tablette gibt es bisher die meisten Erfahrungen und wissenschaftlichen Daten. Die tägliche PrEP ist besonders dann empfehlenswert, wenn man regelmäßig und spontan Sex hat. Die Frage, ab wann sich ein verlässlicher Schutz durch die Medikamente aufgebaut hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Viele Experten halten jedoch einen Vorlauf von 2 Tagen für Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) für ausreichend. Wer die Dauer-PrEP beenden will, sollte die Tabletten noch mindestens 2 Tage nach dem letzten Sex weiter einnehmen.

PrEP bei Bedarf

Eine Variante ist die anlassbezogene PrEP oder PrEP bei Bedarf. Hier nimmt man das Medikament nur über eine begrenzte Zeit ein (also etwa vor, während und nach dem Urlaub oder einem geplanten Sexparty-Wochenende). Dieses Einnahme-Schema ist beispielsweise für Schwule und andere MSM sinnvoll, die nicht so häufig, dafür aber planbarer ungeschützten Analsex haben.

Bei der anlassbezogene PrEP startet man 2-24 Stunden vor der geplanten Risikosituation mit einer Doppeldosis der Medikamente und nimmt dann alle 24 Stunden eine weitere Tablette ein. Je mehr Zeit zwischen der Start-Dosis (2 Tabletten) und dem Risiko liegen, umso wahrscheinlicher ist es, dass sich auch ein ausreichender Schutz aufbauen kann. Daher sollte das zeitliche Minimum von 2 Stunden vor dem Risiko keinesfalls unterschritten werden. Einige Experten raten aus Sicherheitsgründen auch zu einem längeren Abstand (mindestens 4-6 Stunden).

Nach dem letzten Sex müssen mindestens noch 2 weitere Tabletteneinnahmen im Abstand von 24 Stunden erfolgen.

Die Schutzwirkung

Die hohe Wirksamkeit der Dauer-PrEP (tägliche Einnahme) ist durch zahlreiche Studien, unter anderem bei schwulen Männern mit hohem Ansteckungsrisiko, belegt. Entscheidend für die Wirksamkeit ist jedoch die wirklich regelmäßige Einnahme der Tabletten. Werden die Medikamente äußerst gewissenhaft eingenommen, konnten Studien eine Schutzwirkung von über 99% zeigen. Zur Wirksamkeit der PrEP bei Bedarf ist die Datenlage derzeit noch dünner. Große Studien (z. B. in Frankreich) laufen derzeit noch, zeigen aber bereits jetzt positive Zwischenergebnisse. Vermutlich können bei richtiger Anwendung ähnliche Schutzwirkungen wie bei der Dauer-PrEP erzielt werden. Da bei der PrEP bei Bedarf weniger Tabletten zum Einsatz kommen, kann bereits das Vergessen einer einzelnen Dosis den Schutzeffekt negativ beeinflussen. Wer mit einer disziplinierten Tabletteneinnahme seine Schwierigkeiten hat, für den scheint die PrEP bei Bedarf keine geeignete Methode zu sein.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

Die Meisten vertragen die PrEP gut, spüren keine oder kaum Nebenwirkungen. Manche klagen zeitweise über Übelkeit, Durchfall, Kopf-, Bauch- oder Gelenkschmerzen sowie Müdigkeit und Schlafstörungen. Die dauerhafte Einnahme der PrEP-Medikamente kann die Leistungsfähigkeit der Nieren verringern, was für „Nieren-Gesunde“ jedoch i.d.R. unproblematisch ist. Trotzdem muss dies vor Beginn der PrEP sowie durch vierteljährliche Untersuchungen überprüft werden. Bei einer Erkrankung der Niere oder bestehenden Risikofaktoren für eine verminderte Nierenleistung (z. B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Alter über 40 Jahren), sind unter Umständen sogar noch engmaschigere Nierenkontrollen notwendig.

Verfügbarkeit und Kosten

Truvada® ist in Deutschland seit 2016 zur PrEP zugelassen, muss aber derzeit noch auf Privatrezept vom Arzt verordnet und daher selbst bezahlt werden. Vermutlich ab August dieses Jahres werden die Kosten für die Medikamente für gesetzlich Versicherte mit hohem HIV-Risiko von den Kassen übernommen.

Die Kosten für das Original-Medikament liegen bei über 800 Euro für 30 Tabletten.Durch den Wegfall des Patentschutzes sind, neben dem Original, seit Ende 2017 auch wirkstoffgleiche Nachbauten von Truvada® auf dem Markt. Diese Generika wirken genauso gut wie das Original, sind aber deutlich günstiger.

Seit Oktober 2017 ist es möglich, ein Generikum der Firma Hexal in einer besonderen Verpackungsform („Kölsche Blister“) in ausgewählten Apotheken einiger deutscher Städte für rund 40 Euro/28 Tabletten zu erhalten – unter anderem auch in Köln. (Übersicht unter www.aidshilfe‑koeln.de/blister).

Seit Dezember 2017 ist ein weiteres Generikum von Ratiopharm als PrEP erhältlich. Der Preis liegt bei rund 60 Euro für 30 Tabletten. Der Vorteil: Dieses Medikament ist mit einem Privatrezept deutschlandweit in allen Apotheken erhältlich.

Preisgleich ist seit Januar 2018 auch ein Nachahmer-Medikament der Firma Aliud auf dem Markt – dieses Medikament hat allerdings nur eine Zulassung für die HIV-Therapie, nicht für die PrEP. Aber natürlich wirkt es auch als PrEP genauso gut.

Welche Untersuchungen sind bei der PrEP notwendig?

  • Vor dem Start und anschließend alle 3 Monate muss man einen HIV-Test machen: Wenn man schon HIV-infiziert ist oder sich trotz PrEP ansteckt (z. B. weil man die Medikamente nicht regelmäßig nimmt), reichen die PrEP-Tabletten nicht zur Behandlung der HIV-Infektion aus und die Viren können unempfindlich (resistent) gegen dieses wichtige Medikament werden.
  • Ebenso sollte vor Beginn einer PrEP ein Hepatitis-B-Test gemacht, der Impfschutz überprüft und ggf. geimpft werden. Da die PrEP-Wirkstoffe auch gegen Hepatitis B wirken, kann es ansonsten beim Absetzen zu einem Wiederaufflammen der Hepatitis kommen.
  • Die Nierenfunktion muss regelmäßig untersucht werden, denn die PrEP-Wirkstoffe können die Nierenleistung vermindern. Empfohlen wird die Nierenkontrolle alle drei Monate. Nach Absprache mit dem behandelnden Arzt können möglicherweise andere Untersuchungsintervalle vereinbart werden.
  • Nicht zuletzt gehört zur PrEP, sich regelmäßig auf STI („Geschlechtskrankheiten“ wie Syphilis, Tripper und Chlamydien-Infektion) und ggf. Hepatitis C checken zu lassen. Ein Routine-Check alle 3 Monate ist bei Menschen mit wechselnden Sexpartnern dringend zu empfehlen.

Die Kosten für die notwendigen Untersuchungen vor und während der PrEP werden in der Regel nur teilweise von den Krankenkassen übernommen. Hier sollte man sich direkt mit seinem Arzt austauschen, was abrechenbar ist und welche Kosten man selber tragen muss. Untersuchungen auf Syphilis, Tripper, Chlamydien und Hepatitis C, sowie der routinemäßige HIV-Test werden auch von Testprojekten oder Checkpoints angeboten. So lässt sich manchmal Geld sparen.

Ist die PrEP für mich geeignet?

Grundsätzlich spricht bei einer HIV-negativen Person nichts gegen die Einnahme der PrEP. Mögliche gesundheitliche Risiken (z. B. bei einer Vorerkrankung der Nieren oder einer bestehenden Hepatitis B) sollten allerdings im ärztlichen Gespräch geklärt und durch Untersuchungen und Tests vorab ausgeschlossen werden.

Die Durchführung der PrEP erfordert Disziplin und vorrausschauende Planung. Das fängt einerseits damit an, die Tabletten verlässlich einzunehmen und dafür zu sorgen, dass der Nachschub organisiert ist. Andererseits gilt dies auch für die regelmäßigen Tests auf HIV und Geschlechtskrankheiten sowie die weiteren begleitenden Untersuchungen.

Wir empfehlen daher, sich vor dem Start der PrEP ausführlich zu informieren und beraten zu lassen. Die Durchführung der PrEP sollte immer ärztlich begleitet werden. Eine PrEP auf eigene Faust durchzuführen, kann mit erheblichen Risiken verbunden sein.