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Schutzmaßnahmen2018-03-20T12:07:23+00:00

Wie schütze ich mich?

Kondome schützen sicher vor HIV, Aids und anderen sexuell übertragbare Infektionen. Aber nicht alle Menschen möchten ihr Leben lang Kondome benutzen oder zumindest nicht ständig. Da eine HIV-Übertragung unter wirksamer Therapie extrem unwahrscheinlich ist, eröffnen sich hier neue Möglichkeiten: Man kann mit HIV-positiven Partnern auf Kondome verzichten und trotzdem Safer Sex machen!

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Aktuelle Schutz- und Sofortmaßnahmen bei Risikokontakten

Studien haben gezeigt, dass eine erfolgreiche Behandlung mindestens genauso zuverlässig schützt wie Kondome, wahrscheinlich liegt der Schutze ekt der Medikamente sogar höher. 100%-ige Sicherheit gibt es aber in beiden Fällen nicht. Beide Methoden haben jedoch eine sehr hohe Schutzwirkung.

Eine wirksame Behandlung unterdrückt die Vermehrung von HIV. Im Blut (und wenige Zeit später auch im Sperma und in der Analschleimhaut) sind dann so gut wie keine Viren mehr. „Wirksame Behandlung“ heißt:

  • Der HIV-positive Sexpartner hat seit mindestens sechs Monaten dauerhaft eine Viruslast unter der Nachweisgrenze (das heißt im Blut ist kein HIV mehr nachweisbar),
  • er nimmt die Medikamente zuverlässig sein
  • und er macht zur Absicherung alle drei Monate Bluttests bei einem auf HIV spezialisierten Arzt.

PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe und bedeutet in etwa „Vor-Risiko-Vorsorge“. Negative nehmen dabei vorbeugend HIV-Medikamente ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Die Medikamente befinden sich dann in bestimmter Konzentration im Blut sowie den Schleimhäuten und verhindern, dass sich HIV vermehren kann. Selbst wenn beim Sex also einzelne Viren übertragen werden, kann sich HIV nicht mehr weiter ausbreiten und im Körper festsetzen: Man bleibt HIV-negativ.

Mit der PrEP gibt es – neben Kondomen und Schutz durch Therapie – nun also eine dritte zuverlässige Safer Sex-Methode zum Schutz vor HIV.

Aber einfach nur „…ein paar Pillen schmeißen“ reicht nicht aus. Wer die PrEP anwendet, sollte sich vorher unbedingt gut informieren und ärztlichen Rat einholen. Begleitend sind einige Untersuchungen erforderlich und wenn man bei der Einnahme Fehler macht, wirkt die PrEP möglicherweise nicht.

Welche Medikamente und wie werden sie eingenommen?

In Deutschland sind lediglich das Medikament Truvada® und baugleiche Nachahmer-Präparate („Generika“) zur täglichen Einnahme als PrEP zugelassen. Die Kombi-Pille enthält gleich zwei Wirkstoffe (Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil), die HIV an der Vermehrung in den Körperzellen hindern.

Tägliche PrEP

Zu der Dauer-PrEP mit täglicher Einnahme einer Tablette gibt es bisher die meisten Erfahrungen und wissenschaftlichen Daten. Die tägliche PrEP ist besonders dann empfehlenswert, wenn man regelmäßig und spontan Sex hat. Die Frage, ab wann sich ein verlässlicher Schutz durch die Medikamente aufgebaut hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Die meisten Experten jedoch halten einen Vorlauf von 4-5 Tagen für Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) für ausreichend. Wer die Dauer-PrEP beenden will, sollte die Tabletten noch mindestens 2 Tage nach dem letzten Sex weiter einnehmen.

PrEP bei Bedarf

Eine Variante ist die anlassbezogene PrEP oder PrEP bei Bedarf. Hier nimmt man das Medikament nur über eine begrenzte Zeit ein (also etwa vor, während und nach dem Urlaub oder einem geplanten Sexparty-Wochenende). Dieses Einnahme-Schema ist beispielsweise für Schwule und andere MSM sinnvoll, die nicht so häufig, dafür aber planbarer ungeschützten Analsex haben.

Für die anlassbezogene PrEP gelten im Prinzip die gleichen Einnahmeempfehlungen, wie für die tägliche PrEP. Das heißt, man startet 4-5 Tage vor der geplanten Risikosituation und nimmt dann alle 24 Stunden eine weitere Tablette ein. Ob ein kurzfristiger Turbo-Start (mit 2 Tabletten 2 bis 24 Stunden vor dem Risiko) ähnliche Sicherheit bietet, wird von Experten unterschiedlich beurteilt. Immerhin: die Europäische AIDS-Gesellschaft hält das Vorgehen für sicher und für Schwule/MSM (nicht aber für andere Gruppen oder Frauen) empfehlenswert. Wichtig ist in jedem Fall, die Frage des PrEP-Starts ausführlich in einer Beratung oder beim Arzt seines Vertrauens zu besprechen und dann eine Entscheidung zu treffen, die dem eigenen Sicherheitsbedürfnis entspricht.

Auch für das Beenden der PrEP bei Bedarf gilt: Die Tabletten sollten noch wenigstens 2 Tage nach dem letzten Sex weiter eingenommen werden.

Die Schutzwirkung

Die Wirksamkeit der Dauer-PrEP (tägliche Einnahme) ist durch zahlreiche Studien, unter anderem bei schwulen Männern mit hohem Ansteckungsrisiko, belegt: Das Übertragungsrisiko wurde um 86 % gesenkt. Somit hat die PrEP eine ähnlich gute Schutzwirkung, wie das Benutzen von Kondomen. Entscheidend für die Wirksamkeit ist die wirklich regelmäßige Einnahme der Tabletten. Werden die Medikamente äußerst gewissenhaft eingenommen, lag der Schutzeffekt in Studien noch höher, teilweise wurde sogar eine Schutzwirkung von 99% berechnet. Wer Schwierigkeiten mit einer disziplinierten Tabletteneinnahme hat, für den ist die PrEP keine geeignete Methode.

Zur Wirksamkeit der PrEP bei Bedarf ist die Datenlage derzeit noch deutlich dünner. In einer französischen Studie konnte ein Schutz von 86% nachgewiesen werden. Aber auch in dieser Studie zeigte sich: von den Personen, die die PrEP zuverlässig eingenommen haben, hatte sich niemand mit HIV angesteckt.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

Die Meisten vertragen die PrEP gut, spüren keine oder kaum Nebenwirkungen. Manche klagen zeitweise über Übelkeit, Durchfall, Kopf-, Bauch- oder Gelenkschmerzen sowie Müdigkeit und Schlafstörungen. Die dauerhafte Einnahme der PrEP-Medikamente kann die Leistungsfähigkeit der Nieren verringern, was für „Nieren-Gesunde“ jedoch i.d.R. unproblematisch ist. Trotzdem muss dies vor Beginn der PrEP sowie durch vierteljährliche Untersuchungen überprüft werden. Bei einer Erkrankung der Niere oder bestehenden Risikofaktoren für eine verminderte Nierenleistung (z. B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Alter über 50 Jahren), sind unter Umständen sogar noch engmaschigere Nierenkontrollen notwendig.

Verfügbarkeit und Kosten

Truvada® ist in Deutschland seit 2016 zur PrEP zugelassen, muss aber auf Privatrezept vom Arzt verordnet und daher selbst bezahlt werden. Die Kosten für das Original-Medikament liegen bei über 800 Euro für 30 Tabletten.

Durch den Wegfall des Patentschutzes sind, neben dem Original, seit Ende 2017 auch wirkstoffgleiche Nachbauten von Truvada® auf dem Markt. Diese Generika wirken genauso gut wie das Original, sind aber deutlich günstiger.

Seit Oktober 2017 ist es möglich, ein Generikum der Firma Hexal in einer besonderen Verpackungsform („Kölsche Blister“) in ausgewählten Apotheken einiger deutscher Städte für rund 50 Euro/28 Tabletten zu erhalten – unter anderem auch in Köln. (Übersicht unter www.aidshilfe‑koeln.de/blister).

Seit Dezember 2017 ist ein weiteres Generikum von Ratiopharm als PrEP erhältlich. Der Preis liegt bei rund 70 Euro für 30 Tabletten. Der Vorteil: Dieses Medikament ist mit einem Privatrezept deutschlandweit in allen Apotheken erhältlich.

Preisgleich ist seit Januar 2018 auch ein Nachahmer-Medikament der Firma Aliud auf dem Markt – dieses Medikament hat allerdings nur eine Zulassung für die HIV-Therapie, nicht für die PrEP. Aber natürlich wirkt es auch als PrEP genauso gut.

In der Vergangenheit waren PrEP-User auf die Beschaffung der Medikamente im Ausland angewiesen, beispielsweise durch Versandapotheken in Indien. In der Zukunft werden diese Beschaffungswege, die meist aufwendig und zum Teil illegal sind, wohl eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Welche Untersuchungen sind bei der PrEP notwendig?

  • Vor dem Start und anschließend alle 3 Monate muss man einen HIV-Test machen: Wenn man schon HIV-infiziert ist oder sich trotz PrEP ansteckt (z. B. weil man die Medikamente nicht regelmäßig nimmt), reichen die PrEP-Tabletten nicht zur Behandlung der HIV-Infektion aus und die Viren können unempfindlich (resistent) gegen dieses wichtige Medikament werden.
  • Ebenso sollte vor Beginn einer PrEP ein Hepatitis-B-Test gemacht, der Impfschutz überprüft und ggf. geimpft werden. Da die PrEP-Wirkstoffe auch gegen Hepatitis B wirken, kann es ansonsten beim Absetzen zu einem Wiederaufflammen der Hepatitis kommen.
  • Die Nierenfunktion muss regelmäßig untersucht werden, denn die PrEP-Wirkstoffe können die Nierenleistung vermindern. Empfohlen wird die Nierenkontrolle alle drei Monate. Nach Absprache mit dem behandelnden Arzt können möglicherweise andere Untersuchungsintervalle vereinbart werden.
  • Nicht zuletzt gehört zur PrEP, sich regelmäßig auf STI („Geschlechtskrankheiten“ wie Syphilis, Tripper und Chlamydien-Infektion) und ggf. Hepatitis C checken zu lassen. Ein Routine-Check alle 3 Monate ist bei Menschen mit wechselnden Sexpartnern dringend zu empfehlen.

Die Kosten für die notwendigen Untersuchungen vor und während der PrEP werden in der Regel nur teilweise von den Krankenkassen übernommen. Hier sollte man sich direkt mit seinem Arzt austauschen, was abrechenbar ist und welche Kosten man selber tragen muss. Untersuchungen auf Syphilis, Tripper, Chlamydien und Hepatitis C, sowie der routinemäßige HIV-Test werden auch von Testprojekten oder Checkpoints angeboten. So lässt sich manchmal Geld sparen.

Ist die PrEP für mich geeignet?

Grundsätzlich spricht bei einer HIV-negativen Person nichts gegen die Einnahme der PrEP. Mögliche gesundheitliche Risiken (z. B. bei einer Vorerkrankung der Nieren oder einer bestehenden Hepatitis B) sollten allerdings im ärztlichen Gespräch geklärt und durch Untersuchungen und Tests vorab ausgeschlossen werden.

Die Durchführung der PrEP erfordert Disziplin und vorrausschauende Planung. Das fängt einerseits damit an, die Tabletten verlässlich einzunehmen und dafür zu sorgen, dass der Nachschub organisiert ist. Andererseits gilt dies auch für die regelmäßigen Tests auf HIV und Geschlechtskrankheiten sowie die weiteren begleitenden Untersuchungen.

Wir empfehlen daher, sich vor dem Start der PrEP ausführlich zu informieren und beraten zu lassen. Die Durchführung der PrEP sollte immer ärztlich begleitet werden. Eine PrEP auf eigene Faust durchzuführen, kann mit erheblichen Risiken verbunden sein.

Kondome bleiben das wichtigste Mittel zum Schutz vor HIV. Sie sind spontan einsetzbar, günstig und können dazu beitragen, das Risiko der Übertragung anderer STIs verringern.

Beim Vaginal- und Analverkehr können Kondome bei richtiger und geübter Handhabung das Risiko einer HIV-Infektion um bis zu 95% reduzieren. Da es durchaus vorkommen kann, dass Kondome beim Sex reißen oder abrutschen, bieten sie jedoch keinen 100%-igen Schutz. Folglich spricht man bei der Verwendung von Kondomen auch von Safer Sex („Sichererer Sex“ oder „annä­hernd sicherer Sex“) da ein geringes Restrisiko einer Ansteckung verbleibt, welches im Alltag aber zu vernachlässigen ist.

Die hohe Schutzwirkung von Kondomen gilt als der „Goldstandard“ an dem sich alle Maßnahmen zur Minderung des HIV-Übertragungsrisikos messen müssen.

Sofort ausspucken und unverzüglich mehrmals mit einer beliebigen Flüssigkeit spülen. Auf keinen Fall unmittelbar nach dem Spermakontakt die Zähne putzen. Eventuell vorhandene Viren werden so nur in das Zahnfleisch eingerieben.

Diese Sofortmaßnahme kann nach einem Sex- oder Kondomunfall das Risiko etwas reduzieren. Bitte beachte: Sie sind kein Ersatz oder eine Alternative zu Safer Sex!

Der eindringende (aktive) Partner beim Anal- oder Vaginalverkehr sollte versuchen zu urinieren, um Reste von Schleimhaut­sekreten und eventuell Blut auszuspülen. Zudem sollte der Penis sacht unter flie­ßendem Wasser abgebraust werden, um eventuell anhaftende Schleimhautreste zu entfernen. Nicht rubbeln, dass erhöht das Infektionsrisiko! Vorsichtig trockentupfen.

Der aufnehmende (passive) Partner bzw. die Partnerin, sollte auf keinen Fall eine Darm- oder Vaginalspülung machen, da das Infektionsrisiko durch die Verletzungs­gefahr eher noch steigt.

Diese Sofortmaßnahme kann nach einem Sex- oder Kondomunfall das Risiko etwas reduzieren. Bitte beachte: Sie sind kein Ersatz oder eine Alternative zu Safer Sex!

Auge sofort gründlich mit Wasser spülen und austränen lassen. Augen nicht reiben!

Diese Sofortmaßnahme kann nach einem Sex- oder Kondomunfall das Risiko etwas reduzieren. Bitte beachte: Sie sind kein Ersatz oder eine Alternative zu Safer Sex!

Die PEP ist eine Notfallmaßnahme nach einem HIV-Ansteckungsrisiko (z.B. einem gerissenen Kondom): Die vierwöchige Behandlung mit HIV-Medikamenten soll verhindern, dass sich HIV im Körper festsetzt und dann vermehren kann.

Wird mit der PEP rechtzeitig begonnen und werden die Medikamente konsequent
eingenommen, lässt sich in etwa 9 von 10 Fällen eine HIV-Infektion noch einmal abwenden.

Der Countdown läuft

Wichtig bei einer PEP ist der rechtzeitige Beginn: Am besten unverzüglich, möglichst innerhalb der ersten 24 Stunden, spätestens aber innerhalb von 48 Stunden nach dem Risiko. Jede Stunde zählt.

Wo krieg ich die PEP?

Es gibt zwei Möglichkeiten, an eine PEP zu kommen: Entweder in einer größeren Klinik oder einer Arztpraxis, die sich mit HIV auskennt. Eine Klinik, die 24-Stunden am Tag eine HIV-PEP vorhält, kannst du auch mitten in der Nacht, direkt nach dem Risiko, aufsuchen. (Für Köln: Universitätsklinik Köln, Stationsbüro der Notfallambulanz, Telefon: 478-6236 oder Mobil: 0160 / 2655 323) Hier bekommst du die ersten Medikamente. Und du gewinnst Zeit, denn die Tablettendosis für den gesamten Monat kann dir nur ein niedergelassener Arzt verschreiben.

Wann krieg ich eine PEP?

Nach ungeschütztem Analverkehr, wenn…

  • der (Sex-) Partner HIV-positiv ist und keine HIV-Therapie macht
  • der positive Partner zwar behandelt wird, aber seine Viruslast nicht unter der Nachweisgrenze ist
  • man den HIV-Status des Partners nicht kennt, aber davon ausgehen kann, dass er HIV-positiv ist

Eine PEP wird nicht nach einem Blowjob durchgeführt, selbst wenn dabei Sperma
geschluckt wurde. Das Ansteckungsrisiko ist hierbei nur gering.

Die PEP steht dir zu

Die Kosten werden in so genannten „begründeten Notfällen“ von den Krankenkassen übernommen. Safer Sex-Unfälle gehören auch dazu. Die Entscheidung, ob eine PEP in deinem speziellen Fall medizinisch angezeigt ist, trifft allerdings alleine der Arzt nach einem Gespräch mit dir.