Erinnerungsrituale

Die Krankheit Aids hat in den letzten 30 Jahren viele, vor allem junge Menschenleben gefordert und damit auch indirekt Einfluss auf die  Erinnerungs- und Trauerkultur in Deutschland genommen. Die hauptbetroffenen Gruppen – schwule Männer, Drogengebraucher_innen, Sexarbeiter_innen und Migranten_innen – waren plötzlich eine Schicksalsgemeinschaft. Aus dieser sind im Laufe der Jahre spezifische Erinnerungsrituale entstanden, oft jenseits und zusätzlich zu der traditionellen christlichen Begräbniskultur.

Bei der Aktion “Kerzenlichter gegen das Vergessen” triffst du tausende Menschen mit Kerzen in der Hand in überwiegend besinnlich-ruhiger Stimmung, viele offensichtlich bewegt. “Kerzenlichter gegen das Vergessen” ist eine Tradition geworden und findet seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit dem KLuST am CSD-Samstag auf der Hauptbühne des CSD-Straßenfestes statt. Die Veranstaltung trägt dazu bei, sich an die verstorbenen Freunde inmitten einer riesigen Party gemeinsam zu erinnern.

2009 hat die Aidshilfe Köln die Patenschaft über das historische Grabmal der Familie Joest übernommen, damit Menschen aus dem Umfeld der Aidshilfe eine würdige Begräbnisstätte erhalten und ihre Namen nicht vergessen werden. Das bestehende Denkmal wurde gesichert, kleinere Reparaturen ausgeführt und der bauliche Zustand der Gruft wurde geprüft. Die verloren gegangene Umrandung der Grabstätte soll ergänzt werden. Die Planung hierfür wurde bereits mit dem Stadtkonservator abgestimmt. Insgesamt 36 Urnen können im Patenschaftsgrab beigesetzt werden. Damit die Namen der Verstorbenen mit Geburts- und Todestag Platz finden, werden drei Steinstelen aufgestellt. Die baulichen Maßnahmen sind mit erheblichen Kosten verbunden, wie auch jede Bestattung, sofern Verstorbene und Hinterbliebene mittellos sind, jeweils einen nicht unerheblichen Zuschussbetrag benötigt.

Die Aidshilfe Köln sucht hier gemeinsam mit der Kölner Friedhofsgärtner-Genossenschaft nach Lösungen. Sobald alle Finanzierungsfragen geklärt sind, besteht die Möglichkeit für Menschen mit HIV und Aids, sich als Selbstzahler oder aus Mitteln des Sozialamtes auf Melaten bestatten zu lassen.

Die Kunstinstallation “Namen und Steine” vom Künstler Tom Fecht ist dem Andenken an Menschen gewidmet, die in den letzten Jahrzehnten an den Folgen von Aids starben. Ihre Namen sind in über 90 Pflastersteine eingeschrieben, die im öffentlichen Raum in der Markmannsgasse in der Kölner Altstadt eingelassen sind. Jedes Jahr kommen Neue hinzu. Mehr dazu hier.