#WirFürCommunity

Die Aidshilfe Köln und der Checkpoint sorgen im Sommer – zur Zeit des ursprünglich geplanten ColognePride – für einen Hoffnungsschimmer. Wir wollen die Community wieder mehr verbinden. Engagement für die Community und für einzelne Mitglieder einer bis dahin gut vernetzten Szene soll gewürdigt werden. Ausgezeichnet werden Menschen oder Organisationen/Gruppen, die sich für die Community und deren Mitglieder besonders in der Corona-Krise einsetzen.

Zum Beispiel Menschen, die andere Menschen versorgen, die in Quarantäne sind oder zur Risikogruppe gehören. Oder beispielsweise der Szene-Wirt, der versucht, trotz Schließung und Auflagen Begegnungen zu ermöglichen sowie ein offenes Ohr für seine bisherigen Gäste hat.

Bis Ende Juli haben wir pro Woche eine Person ausgezeichnet!

Die Preisträger*innen:

Riphahn Café & Restaurant

Die Aidshilfe und der Checkpoint Köln verleihen das erste funkelnde Dankeschön „Die Brosche“ an das Gastronomen-Ehepaar Uwe Hammes und Thomas Tump, Betreiber des Riphahn Café & Restaurant. Sie werden für ihr außergewöhnliches Engagement während der Coronakrise ausgezeichnet, welches sie durch die Einführung der 1€PLUS Suppenküche im Riphahn gezeigt haben. „Damit haben sie es geschafft, den Zugang zu einer warmen Mahlzeit auch in dieser schwierigen Zeit für jeden aufrechtzuerhalten. Viele Bedürftige haben in den letzten Wochen das Angebot in Anspruch genommen. Diese Idee finden wir super und das soziale Engagement wollen wir mit unserer Brosche würdigen“, so Steph Claasen, Vorstand Aidshilfe Köln.

Normalerweise kostet eine Suppe im Riphahn zwischen vier und zehn Euro. Für einen Euro gab es nun jeden Tag wechselnde Suppen. Wer kann, gibt mehr als nur einen Euro. Von den Einnahmen werden die neuen Zutaten gekauft, um die Suppen für die nächsten Tage zubereiten zu können.

Obwohl die Gastronomie besonders hart vom Lockdown betroffen war, ist es umso bemerkenswerter, dass das Riphahn in dieser schwierigen Stunde auch an die Mitmenschen denkt, nicht nur in der Community, die schon vorher am Rand der Gesellschaft standen und für sie ein Angebot geschaffen hat.

Marcos Schlüter, Kulturkneipe Mittelblond

Das nächste funkelnde Dankeschön überreicht die Aidshilfe und der Checkpoint Köln an Marcos Schlüter. Er schlüpfte in den vergangenen Wochen immer wieder in seine unterschiedlichsten Rollen wie beispielsweise René Gligée, um Videos zu seinen Corona-Durchhalte-Songs zu drehen, mit denen er während des Lockdowns versucht hat, die Menschen in der Szene einen kurzen Moment abzulenken und deren Sorgen vergessen zu lassen. Und das trotz der eigenen existenzbedrohten Nöte, die er durch die Schließung der Kulturkneipe Mittelblond hat.

„Sein hömma Hölle als René Gligée ist einfach legendär und sorgt immer für ein Lächeln auf dem Gesicht. Wir wollen Marcos Engagement während des Lockdowns würdigen und uns bedanken, dass er uns mit seinen Videos zum Lachen gebracht und dazu beigetragen hat, dass uns die Decke nicht ständig auf den Kopf gefallen ist“, so Christoph Klaes, Leiter Checkpoint Köln.

Ibrahim Willeke, SOFRA Cologne

In einer nie dagewesenen Pandemie in einem fremden Land zu sein, wo man noch kein großes soziales Netzwerk aufgebaut hat, ist schwer. Da ist es wichtig, dass Menschen als Anlaufstelle ansprechbar sind. Genauso eine Anlaufstelle ist das ehrenamtliche Projekt SOFRA Cologne mit Ibrahim Willeke für LSBTI-Geflüchtete.

Besonders in der Corona–Krise hat sich das Projekt durch die schnelle Reaktion auf die neuen Begebenheiten ausgezeichnet. LSBTI-Geflüchtete waren teilweise von allem abgeschnitten. Um die Lücke zu schließen, ist SOFRA Cologne eingesprungen. Es wurden virtuelle Formate und Videos für die Zielgruppe erstellt, so dass sie trotz Quarantäne in manchen Unterkünften in Kontakt bleiben konnten. Deswegen überreicht der Checkpoint und die Aidshilfe Köln das funkelnde Dankeschön stellvertretend an Ibrahim Willeke für sein Engagement für die Community während der Corona-Pandemie.

„Ich bin sprachlos, vielen Dank für die Brosche. Es ist mir aber auch wichtig zu erwähnen, dass die Videos ohne die Unterstützung vom Rubicon nicht möglich gewesen wären. Es war also eine Kooperation von rubicon und SOFRA Cologne“, so Ibrahim Willeke.

Sven Lehmann, Kölner Bundestagsabgeordnete der Grünen

Viele Vereine, Verbände, Organisationen, Bar- und Sauna-Betreiber aus der Community können trotz der zahlreichen Lockerungen noch immer nicht gänzlich überblicken, welche wirtschaftlichen Folgen der Lockdown aufgrund der Covid-19-Pandemie auf die Haushalte in diesem Jahr, aber auch für die kommenden Jahre haben wird. Die Aidshilfe zum Beispiel rechnet nach vorläufigen Schätzungen mit rund 80.000 Euro, die durch Mindereinnahmen durch fehlende Spendeneinnahmen, ausgefallene Benefizveranstaltungen oder Minder-Einnahmen aus dem Checkpoint in diesem Jahr fehlen werden. Hinzu kommen die Mehrkosten für die Einhaltung neuer Hygiene-Richtlinien, die in der Art gar nicht im Haushalt in der Größenordnung geplant waren.

Deswegen setzt sich der Kölner Bundestagsabgeordnete der Grünen Sven Lehmann gemeinsam mit seiner Kollegin Ulle Schauws für einen Regenbogen-Rettungsschirm für queere Vereine, Verbände und Organisationen ein, die unter der Pandemie genauso zu leiden haben wie alle anderen Wirtschaftsunternehmen. Allerdings wurde dieser Sektor bisher noch gar nicht bei möglichen Förderungen berücksichtigt. Auch wenn aktuell noch kein Beschluss abgesegnet wurde, möchte die Aidshilfe Köln und der Checkpoint das Engagement würdigen und das funkelnde Dankeschön an Sven Lehmann überreichen. Mit einem Gastbeitrag im Tagesspiegel machten die beiden Abgeordneten auf die prekäre Situation aufmerksam, stellten die Forderung nach einem Rettungsschirm und setzten sich seitdem dafür ein.

„Sven Lehmann und Ulle Schauws beschreiben aus meiner Sicht ziemlich gut, mit welcher Situation in Bezug auf Eigenmittel wir in diesem und nächsten Jahr rechnen müssen. Und da ist es natürlich erfreulich, dass wir nicht allein auf weiter Flur mit dieser Tatsache kämpfen müssen, sondern auch auf die Hilfe aus der Politik hoffen können. Mit der Würdigung wollen wir natürlich die Beiden auch anspornen, sich weiter für den Regenbogen-Rettungsschirm stark zu machen“, so Michael Schuhmacher, Geschäftsführer der Aidshilfe Köln.

„Ich würde mir wünschen, dass sich sowohl die kommerzielle als auch nicht-kommerzielle Community solidarisch verbündet und gemeinsam die Stimme erhebt. Wenn  weite Teile beider Bereichen die Krise nämlich nicht überstehen, geht uns ganz viel verloren und das müssen wir verhindern“, so Sven Lehmann, Bundestagsabgeordneter der Grünen.

Ralf König, Künstler 

Mit den kleinen Episoden von Konrad und Paul, verbunden auch mit den Schwärmereien für einen Rewe-Filialleiter, hat der Kölner Künstler Ralf König seit Beginn der Corona-Pandemie die Community erheitert. Deswegen haben die Aidshilfe Köln und der Checkpoint ihn auserwählt, so dass er der nächste Preisträger des funkelnden Dankeschöns wird. Ralf König schafft es, mit seinen kurzen Comics immer wieder für ein Schmunzeln zu sorgen. Und damit nicht nur die deutsche Community was von seinen Zeichnungen hat, gibt es das Ganze auch noch in Spanisch, Englisch und Französisch. Spätestens um sieben Uhr morgens gehen die neuen Zeichnungen online.

„Wie kein anderer erhellt Ralf König zurzeit die Stimmung in der Community täglich mit neuen Comics. So sorgt er für Ablenkung und hilft uns dabei, dass uns nicht die Decke auf den Kopf fällt. Dafür wollen wir uns bedanken“, so Steph Claasen, Vorstand Aidshilfe Köln, der die Brosche im Atelier von Ralf König überreicht hat.

Elke Hellwig 

Über 500 Gesichtsmaske hat Elke Hellwig in den letzten Wochen während der Corona Krise genäht. Allerdings nicht für sich, sondern für das queere Jugendzentrum anyway und die Aidshilfe Köln, damit beide Einrichtungen Masken für Mitarbeiter*innen, Klient*innen und Besucher*innen haben und somit weniger Geld für die Beschaffung von Einmal-Masken ausgeben müssen. „Elke ist von sich auf uns zugekommen und hat gesagt, ich würde gerne Masken für euch nähen. Da waren wir erstmal total platt und haben uns sehr gefreut,“ so Pressesprecher Erik Sauer.

Mit der Brosche will die Aidshilfe das nicht selbstverständliche Engagement an der Nähmaschine würdigen. „Mit den Masken hat Elke uns geholfen, vor allem in einer Zeit, in der die Masken noch schwer zu beschaffen waren. Als sie jetzt nochmals 150 Stück vorbeigebracht hat, haben wir die Chance genutzt und ihr gleich eine Brosche als funkelndes Dankeschön überreicht“, so Sauer weiter.

Zu Beginn dauerten 50 Maske noch eine Woche, mittlerweile schafft Elke an einem Tag 20 Masken. Sie hat dabei allerdings auch die Unterstützung von weiteren Menschen gehabt. Je mehr Leute von ihrem Engagement hörten, um so mehr wollten sie finanziell bei den Materialkosten unterstützen, so dass sie insgesamt 400 Euro zusammen bekam, um die Stoffe und Gummis für die Maske kaufen zu können. Auch für die Menschen ist das Dankeschön gedacht.

Ursula Greiser

Auch in der Corona-Krise kann sich das Frauen- und Familienzentrum auf zahlreiche Unterstützer*innen verlassen und somit auch in der Pandemie ansprechbar für alle Klient*innen bleiben sowie nahezu alle Angebote aufrechterhalten. Besonders engagiert hat sich in den letzten Wochen da Ursula Greiser hervorgetan. Sie hat sich regelmäßig erkundigt und nachgefragt, wo und wie sie dem Frauen- und Familienzentrum helfen kann. Darüber hinaus hat sie privat gespendet, aber auch dafür gesorgt, dass dem Frauen- und Familienzentrum vom Soroptimist-Hilfefonds eine Spende als Corona-Soforthilfe überwiesen wird. Deswegen erhält Ursula Greiser das funkelnde Dankeschön von der Aidshilfe Köln und dem Checkpoint Köln.

„Frau Greiser unterstützt das Frauen- und Familienzentrum schon seit Jahrzehnten, unter anderem bei der Durchführung der Wochenendfahrten, aber auch bei der Tiertherapie. Jetzt auch in Zeiten von Corona Frau Greiser als Unterstützerin an unserer Seite zu wissen, freut uns“, so Pressesprecher Erik Sauer.

„Für mich war und ist mein Engagement für die Aidshilfe Köln stets selbstverständlich, eine Bereicherung für mich und eine Herzensangelegenheit. Das mir von der Aidshilfe zugedachte funkelnde Dankeschön ehrt mich natürlich sehr“, so Ursula Greiser.

Dyke* March Cologne 

Seit 2015 sorgt der Dyke* March im Rahmen des ColognePride für lesbische Sichtbarkeit. In den letzten Jahren ist die Teilnehmendenzahl immer weiter angestiegen. So waren 3.500 Demonstrant*innen 2019 dabei. Obwohl der ColognePride aufgrund der Corona-Bestimmungen auf Oktober verschoben wurde, haben sich die Organisatorinnen nicht unterkriegen lassen und trotz Corona den Dyke* March am 4. Juli in Köln durchgeführt und so wieder ein wichtiges und sichtbares Zeichen für lesbische Sichtbarkeit gesetzt. Über 1.200 Freund*innen und Supporter*innen sind dem Aufruf gefolgt.

Die Kontaktbeschränkungen der letzten Monate haben insbesondere lesbische/queere Frauen hart getroffen, da die Räume, in denen sie sich als Gemeinschaft erleben und begegnen, nicht zugänglich waren. Diesen Raum zumindest an einem Tag zu bieten, ist das Anliegen des Dyke* March Cologne 2020 gewesen. Am 4. Juli 2020 startete der 6. Dyke* March Cologne auf dem Neumarkt als bunte Fahrraddemonstration durch die Kölner Innenstadt zum Heumarkt. Den Auflagen gemäß mussten die Teilnehmer*innen 1.5 m Abstand halten und sollten Masken tragen.

„Der Dyke* March Cologne ist eine Plattform, um die ganz unterschiedlichen Interessen und politischen Forderungen von Lesben/queeren Frauen/frauenliebenden Frauen/genderqueeren Lesben zu präsentieren. So unterschiedlich ihre Lebenswelten sind, so vielfältig sind auch ihre politischen Anliegen. Genau diese lebendige und kämpferische Vielfalt wurde beim Dyke* March Cologne sichtbar und hörbar trotz Corona dank der wundervollen Idee mit der Fahrraddemo“, so Steph Claasen, Vorstand Aidshilfe Köln. Der Checkpoint Köln und die Aidshilfe Köln zeichnen deswegen die Organisatorinnen mit dem funkelnden Dankeschön aus.

„Vielen Dank für die Auszeichnung, wir freuen uns riesig, das zeigt uns, wir werden doch über unsere Communitygrenze wahrgenommen.  Aber wir bieten nur den Raum, das funkelnde Dankeschön ist genauso für die zahlreichen Helfer*innen, Teilnehmer*innen und Supporter*innen, die diesen Dyke*March in den letzten Jahren haben wachsen lassen“, so Maria Balfer, eine von sechs Organisatorinnen des Dyke* March Cologne. Gemeinsam mit Susanne Clarenbach, Birgit Döring, Janna Gerdes, Annette Rösener und Ingrid Stumpf meldet sie im Team die Demonstration jedes Jahr an, stellt Rikschas zur Verfügung und organisiert Alles, was sonst nötig ist. Dass der Dyke* March in diesem Jahr nicht ausgefallen ist, sondern als Fahrraddemo durchgeführt wurde, ist Ingrid zu verdanken. Sie hatte am letzten Planungsabend die Idee, als sich alle fast schon mit einer Absage abgefunden hatten.

ICH WEISS WAS ICH TU

Das letzte funkelnde Dankeschön vergeben die Aidshilfe und der Checkpoint an „ICH WEISS WAS ICH TU“ (IWWIT). Seit Beginn der Pandemie war IWWIT für die queere Szene da. Im April 2020 starteten sie die neue Kampagne #WirFürQueer. Schließlich war die queere Szene während des Lockdowns von der Coronavirus-Pandemie betroffen, sei es durch mögliche Einsamkeit in der Isolation oder durch finanzielle Schwierigkeiten. Zahlreiche queere Publikationen (Magazine, Zeitschriften), Clubs, Organisationen, Selbstständige und Freiberufler*innen (wie Entertainer*innen, Künstler*innen, usw.) standen und stehen vor ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. So wurde mit #WirFürQueer auf Sammlungen von Hilfs- und Soliaktionen aufmerksam gemacht, über die Sozialen Medien auf weitere Angebote hingewiesen, um sich auch mal ablenken zu können, aber auch aktuelle Informationen rund um Corona im Kontext HIV, Sexualität und Drogengebrauch wurden thematisiert.

Die Corona-Pandemie sorgt dafür, dass leider auch CSDs und andere queere Veranstaltungen dieses Jahr ausfallen. Doch „ICH WEISS WAS ICH TU“ hat niemanden im Stich gelassen! Unterstützt werden sie dabei vom CSD Deutschland e.V. und ihren   Medienpartner*innen SIEGESSÄULE, MANNSCHAFT MAGAZIN, Queer.de, männer*, SCHWULISSIMO und FRESH!

Absolutes Highlight von #WirFürQueer war sicherlich das Online-Soli-Event für die Community zum IDAHOBIT am 17. Mai 2020 mit Größen wie Marianne Rosenberg, Maren Kroymann, Irmgard Knef, Schwanz und Ehrlich und Judy Winter und viele mehr. Moderiert wurde das Ganze von Annie Heger und Jurassica Parka!

Von Talks und Live-Acts, über Live-Musik und Drag Shows bis hin zu Politischem: Sehr viel Spannendes und Unterhaltsames wurde bereitgestellt und zum IDAHOBIT aus dem SchwuZ gesendet. Am Ende waren es fast vier Stunden Programm, das mehrere tausend Menschen live verfolgt haben.

Mit der letzten Auszeichnung endet die Kampagne der Aidshilfe und des Checkpoints Köln #WirFürCommunity. Mit der Auszeichnung verschiedener Menschen und Organisationen sollte ihr Engagement wertgeschätzt werden und die Bemühungen jedes Einzelnen sichtbar gemacht werden.