(Köln, den 21. Juli 2025) Im letzten Jahr sind in Köln und Leverkusen 88 Menschen in Verbindung mit dem Konsum illegalisierter Drogen verstorben. „Das sind im Vergleich zum Vorjahr zwar neun Menschen weniger. Dennoch handelt es sich um eine viel zu hohe und bei richtig ausbalancierten Hilfen auch um eine vermeidbare Zahl“, sagt Torben Beimann fachliche Leitung der Angebote Konsum und Rausch in der Aidshilfe Köln e.V.

Zu den verstorbenen Menschen zählen Menschen, die infolge einer Überdosis, langzeitigen Konsums, durch Selbsttötung aus Verzweiflung über ihre Lebensumstände, unter Einwirkung von Entzugserscheinungen oder durch einen Unfall unter Drogeneinfluss ums Leben gekommen sind. Die Toten waren zwischen 18 und 68 Jahren alt, die meisten Verstorbenen sind 50 Jahre und älter. Die Aidshilfe Köln macht im Rahmen des diesjährigen Drogentoten-Gedenktages auf diese Situation mit einer Kunstinstallation aufmerksam: Vor dem Eingang zum Café Bach an der Haltestelle Heumarkt werden 88 Paar Schuhe sowie eine Infotafel platziert.

„Durch die plastische Darstellung wollen wir den Vorbeigehenden zeigen, dass jedes Paar für eine Geschichte steht. Hinter jeder Geschichte stehen trauernde Familien und/ oder Freund:innen. Ein Teil dieser Todesfälle wären durch Unterstützungsangebote vermeidbar gewesen. Wir haben schon jetzt ein breites Spektrum an unterschiedlichen Angeboten und dennoch reichen die Plätze und Kapazitäten nicht immer aus. Dabei gilt auch für unsere Angebote: Nicht alles, was wir anbieten, wird refinanziert. Die Leidtragenden sind die Konsument:innen. Auch darauf möchten wir mit unserer Aktion hinweisen.“, sagt Marcus Lauterborn aus dem Team Konsum und Rausch der Aidshilfe Köln.

Die Aidshilfe Köln steht grundsätzlich für eine lebensstilakzeptierende Haltung. Wir unterstützen konsumierende Menschen bedarfsgerecht mit vielfältigen Angeboten. Zu unseren Angeboten gehören: Begleitung von substituierten Menschen, ambulant betreutes Wohnen, Therapievermittlung, Nachsorge, Chemsex Beratung, Beratung bei selbstbestimmten/kontrolliertem Substanzkonsum, Informationen zu Harm Reduction, Naloxon Training, Hepatitis Beratung/Testung.

Mit diesen Angeboten konnten wir 2024 viele Menschen erreichen. Zudem konnten an den sieben Spritzenautomaten 5.000 sterile Spritzen getauscht werden. Im Vorfeld des Drogentoten-Gedenktages hatte die Aidshilfe um Schuhspenden gebeten, um die Installation umsetzen zu können. „Bedürftige Menschen können sich die Schuhe, die ihnen passen und gefallen, gerne mitnehmen. Nach Beendigung der Installation, werden wir die übriggebliebenen Schuhe  spenden“, so Pressesprecher Erik Sauer.    

Wir trauern um 39.000 Menschen, die an den Folgen des Substanzkonsums gestorben sind

Der Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende findet am 21. Juli zum 27. Mal statt. Seit 1998 sind 39.000 Menschen am Konsum illegalisierter Drogen verstorben. „Wir müssen auch darauf hinweisen, dass es sich bei den 88 Menschen, die in der Statistik erfasst wurden, um die Spitze des Eisbergs handelt, die Dunkelziffer dürfte um einige höher sein. Es gibt weiterhin keine einheitlich definierten Standards in der Erfassung von verstorbenen Drogengebrauchenden Menschen. Auf diesem Weg landen in der Statistik häufig ausschließlich die Personen, bei denen der vorhergehende Konsum beim Auffinden eindeutig sichtbar ist“, so Torben Beimann. „Wir sind weiterhin weit entfernt von einer transparenten Erfassung der Zahlen und einer transparenten Erfassung der Lebensrealität in offenen Drogenszenen. Leider wird der Diskurs allzu häufig von emotionalisierten Debatten rund um den Neumarkt und andere offene Plätze geführt. Die Lebensrealität der Menschen wird außerhalb des Gesundheitsamtes und der psychosozialen und medizinischen Suchthilfe viel zu selten in den Blick genommen!“

Der Gedenktag nutzt jedes Jahr die Chance, nicht nur auf das Schicksal der Konsumierenden, sondern auch der Angehörigen und Freund:innen aufmerksam zu machen. Jedes Jahr beteiligen sich über 400 Einrichtungen und Projekte in 90 Städten bundesweit an diesem Gedenktag.

Pressekontakt

Erik Sauer
Telefon: 0221 / 20203-43
sauer@aidshilfe-koeln.de