Christian

„Nach vier Monaten habe ich es öffentlich gemacht, dann war ich überall geoutet. Mein HIV-Status gehört zu mir wie meine Homosexualität, verbunden mit allen Konsequenzen wie öffentlichen Anfeindungen, die haben aber nach und nach abgenommen.“

„After 4 months I made it public, I outed myself all over. My HIV status is a part of me just as well as my homosexuality plus all the consequences therefrom. The open hostilities decreased gradually.“

Christian, 28 years old from Düsseldorf — Executive director of an association for older gay people, diagnosed with HIV 7 years ago

„Après quatre mois je l’ai rendu public, j’ai tout révélé. Mon statut VIH fait tout autant partie de moi que mon homosexualité, avec toutes les conséquences telles que l’hostilité publique, mais elles ont progressivement diminué. “

Christian, 28 ans, de Düsseldorf Directeur général d’une association d’aînés gays, séropositif depuis 7 ans


بعد أربعة أشهر قمت بنشرها ، ثم اصبح الجيع يعرف. تعتبر حالة الإصابة بفيروس نقص المناعة البشرية جزءًا من مثليتي الجنسية كما هي ، مع كل العواقب مثل العداء العام ، لكنها تراجعت تدريجياً

كريستيان نعمان ، 28 سنة ، من دوسلدورف
مدير جمعية لجمعية لكبار السن من المثليين, مصاب بفيروس نقص المناعة البشرية منذ 7 سنوات

Christian, 28 Jahre aus Düsseldorf

Geschäftsführer eines schwulen Seniorenverbandes, seit 7 Jahren HIV-positiv

Interview

Wie hat damals dein Umfeld reagiert, als du ihnen sagtest, dass du HIV-positiv bist?

Christian: Sehr unterschiedlich. Mein Freund hat damals sehr gut reagiert, als ich ihm sagen musste, dass ich positiv bin. Meine Eltern weniger gut. Das war eine sehr schwierige Zeit. In meinem Umfeld gab es viele gute Reaktionen. Es gab Freunde, die haben bewusst, als ich es ihnen gesagt habe, aus meinem Wasserglas getrunken oder mich umarmt und haben gute Zeichen gegeben. Es gab aber auch Freunde, die hinter meinem Rücken geredet haben.

Du bist seit sieben Jahren positiv, also warst du sehr jung. Hörte man da Bemerkungen, dass heute so etwas doch nicht mehr müsse?

Christian: Auf jeden Fall. Das habe ich von einem Bekannten gehört. ‚Du bist doch so gut aufgeklärt, du hättest das doch wissen müssen.‘ Was ja total die Situation verkennt, in der man sich infiziert. Wenn man verliebt ist oder Spaß hat, schaltet sich der Kopf auch schon mal aus.

Du gehst sehr offen mit deiner Infektion um. War das schon immer so?

Christian: Ich bin relativ schnell und früh offen damit umgegangen. Das lag vielleicht auch daran, dass ich es meinen Eltern schon gesagt hatte und keine Angst mehr haben musste. Es gab nichts zu verheimlichen. Ich habe zu dem Zeitpunkt schon in der Schwulenszene gearbeitet. Da wäre das auch nicht so ein Problem gewesen, es zu sagen. Oder nicht ganz so, als wenn ich bei einem anderen Arbeitgeber gewesen wäre. Nach vier Monaten habe ich es öffentlich gemacht, dann war ich überall geoutet. Mein HIV-Status gehört zu mir wie meine Homosexualität, verbunden mit allen Konsequenzen wie öffentlichen Anfeindungen. Die haben aber nach und nach abgenommen.

War oder ist deine Diagnose im Berufsleben ein Problem?

Christian: Gar nicht. Ich arbeite ja bei einem schwulen Seniorenverband. Da ist das Thema HIV im Alter sehr wichtig. Ich habe mit vielen Menschen zu tun, die selbst positiv sind. Deshalb ist das da überhaupt kein Problem.

Gibt es dennoch Situationen, in denen du negative Erfahrungen machst?

Christian: Solange ich noch auf Grindr oder Gayromeo online war, kam es schon vor, dass mich Leute erkannt und gesagt haben: ‚Du bist doch positiv, mit dir wollen wir keinen Sex haben.‘ Das ist mir mittlerweile aber relativ egal. Denn es zeigt nur, dass die Leute unaufgeklärt sind. Und mit solchen möchte ich sowieso nichts zu tun haben. Am meisten Diskriminierung erlebe ich im Krankenhaus, im ärztlichen Bereich, beim Zahnarzt, in der Kieferchirurgie. Vor drei Jahren musste ich meine Weisheitszähne ziehen lassen. Ich musste drei Monate suchen, bis ich einen Arzt gefunden habe, der mich behandeln wollte.

Das ist doch verwunderlich und widersprüchlich, dass ausgerechnet im medizinischen Sektor die meisten negativen Erfahrungen gesammelt werden. Eigentlich müsste man doch denken, dass die Bescheid wissen?

Christian: Klar, es ist gerade da widersprüchlich. Allerdings ist es ja auch nur ein Thema, das knapp 90.000 Menschen in Deutschland betrifft. Das ist eine sehr kleine Gruppe. Das heißt nicht, dass alle über den aktuellen Stand in der HIV-Medikation gut informiert sind. Das Thema ist ja heute in der Realität längst nicht so nachteilig besetzt wie vor 30 Jahren. Damals bekam man de facto eine Todesdiagnose. Diese überkommene Wahrnehmung ist leider auch heute noch oftmals präsent. Fortbildungen und Schulungen finden zu selten statt. Ich glaube, dafür gibt es logische Gründe. Wenn beispielsweise in einer Zahnarztpraxis eine HIV-Diagnose bekannt wird, haben auch die anderen zunächst einmal ein Gefühl von Angst. Das verstehe ich schon. Andererseits aber auch wieder nicht, denn eigentlich darf es nicht sein.


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