Countdown:


Kölner Aidsgala verabschiedet sich mit thematischem Programm

Nach monatelanger Planung war es nun endlich soweit: Der rote Teppich  ausgerollt, die Künstlerinnen und Künstler bereit und der Vorhang sollte sich noch ein Mal heben. Die Kölner Aidsgala lud zum letzten Mal und alle kamen. Ob aus der Politik, Gesellschaft, Kultur oder Sport, knapp 1.200 Gäste aus ganz Deutschland wollten bei diesem gesellschaftlichen Highlight nicht fehlen.

Um Punkt 20 Uhr eröffnete Marcella Rockefeller mit „Born this way“ von Lady Gaga das Thema des Programms und sorgte für das erste Highlight des Abends. Lady Gaga ist auch die Mutter des Leitgedankens „Don’t be a Drag just be a Queen“, unter dem die Kölner Aidsgala stand.

Alle Künstlerinnen und Künstler repräsentierten das Spiel mit den Geschlechterrollen und deren sexuellen Identitäten. So wurde eine große Bandbreite von unterschiedlichsten (Geschlechter-) Rollen, sexuellen Identitäten und Spielarten auf der Bühne gezeigt. Den Gästen wurde auf spielerische Art präsentiert, wie viele Facetten es gibt und wie Vielfalt in jeglicher Form eine Bereicherung für die Gesellschaft sein kann. Andreja Schneider, vielen bekannt als Mitglied der Geschwister Pfister, und Jörg Thadeusz, mit dem Blick des Journalisten, führten mit kurzweiligen, teils zum Nachdenken anregenden Moderationen durch das Programm.

(c) Markus Morianz

Conchita Wurst sorgt für grandioses Finale

Mit Standing Ovations des Publikums hat sich die Kölner Aidsgala verabschiedet. Nach der Preisverleihung des Jean-Claude-Letist-Preises an Conchita Wurst und dem großen Finale standen die knapp 1.200 Gäste auf und feierten zum letzten Mal diese Traditions-Veranstaltung. Es war wie ein Paukenschlag in der Community, als die Aidshilfe Köln bekannt gab, die Gala aus Kosten- und organisatorischen Gründen nicht mehr fortzusetzen. Doch für das letzte Mal hatte die Aidshilfe gemeinsam mit ihrer Lebenshaus-Stiftung ein einzigartiges dreistündiges Programm auf die Beine gestellt: Motto und Thema „Don't be a Drag just be a Queen“ erfuhr im Finale die Krönung durch die Gewinnerin des ESC Conchita Wurst.

 

Jean-Claude-Letist-Preis an Conchita Wurst

Den Höhepunkt bildete die Verleihung des Jean-Claude-Letist-Preises an Conchita Wurst. Zum ersten Mal hat die Aidshilfe Köln diesen Preis in Gedenken und zu Ehren eines Gründungsmitgliedes der Aidshilfe, das vor 25 Jahren an Aids verstorben ist, verliehen.

Kölner Aidsgala sagt Adieu!

Die vierundzwanzigste Kölner Aidsgala ist die letzte dieser Art! Im Saal überwog die Freude am Programm und der Applaus für die vielen Highlights. Auch wenn Aidshilfe Geschäftsführer Michael Schuhmacher und allen Beteiligten die Entscheidung zum Ende der Kölner Aidsgala nicht leichtgefallen ist: „Ich habe 20 Gala-Veranstaltungen selbst miterlebt, ich sehe das Ende mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Dass Conchita Wurst unseren Preis persönlich entgegengenommen hat und ihr ESC-Siegertitel im Finale sind wahrscheinlich in der Zukunft auch nicht mehr zu überbieten.“

Aber der Aufwand diesen Event auszurichten, ist für die Aidshilfe Köln und ihre Lebenshaus-Stiftung einfach enorm! Gleichzeitig sinken die Fördermittel der öffentlichen Hand allein dadurch, dass die Kostensteigerungen in jedem Jahr auch bei gleichbleibender öffentlicher Förderung die Aidshilfe Köln zwingt, eine halbe Stelle abzubauen. Einer der Gründe keine personellen Ressourcen mehr für die Kölner Aidsgala einzusetzen.

Auch wenn sich der Vorhang heute zum letzten Mal geschlossen hat, sind noch lange nicht alle Themen bearbeitet und nicht jede Forderung vom Tisch. Vorstand und Geschäftsführung der Aidshilfe Köln werden neue Formen finden, auf wichtige Themen hinzuweisen. Dafür will die Aidshilfe Köln neue Rahmen finden. 

„Wir werden nach dem CSD in Ruhe überlegen, wie wir auch künftig unsere Inhalte und Themen in die Kölner Stadtgesellschaft transportieren können. Jetzt heißt es aber erst einmal, all denen zu danken, die uns bei vierundzwanzig großartigen Veranstaltungen geholfen haben, diese zu realisieren“, so Michael Schuhmacher. 

Aidshilfe Köln sagt Danke

Die Aidshilfe Köln bedankt sich bei allen Gästen in den vergangenen Jahren, bei allen Künstlern und Künstlerinnen, bei allen Menschen, die tatkräftig und mit vollem Elan mitgeholfen haben, dieses Event auf die Beine zu stellen. Ganz besonders bei der Kölner Künstleragentur Barbarella, die bei der Programmgestaltung die Aidshilfe Köln seit Jahren unterstützt hat. Aber auch beim Maritim Hotel Köln, dafür dass sie den großen Saal immer bereitgestellt haben. Bei allen Technikern und Dekorateuren

Jean-Claude Letist:

Jean-Claude Letist war Belgier, lebte als offen schwuler Mann in Deutschland und war von Jugend an in der Schwulenbewegung aktiv. Neben seinem Engagement in Deutschland galt sein vehementer Einsatz für Gleichberechtigung und Menschenrechte im Rahmen der International Gay und Lesbian Association (ILGA) als bemerkenswert. Sein Leben war ein Modell selbstbewussten schwulen Lebens in einer Zeit, in der homosexuelle Handlungen noch strafbar waren.

Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, die Jean-Claude Letist bis zu seinem Tode an den Tag legte, erobert heute Conchita Wurst jede Bühne. Mit diesem Preis ehrt die Aidshilfe Köln die Sängerin, die ganz selbstverständlich ihren Weg bis zur Gewinnerin des European Song Contest gegangen und so für viele Menschen Vorbild geworden ist. 

Wie sie in den Medien vor und nach ihrem Auftritt im Rahmen des ESC erklärt hat, dass sie für sich ganz selbstverständlich ihren Weg in ihrer selbst gewählten Rolle gegangen ist und glaubwürdig und frei heraus dieses Recht für sich reklamiert hat, ist bewundernswert. Die Vorstände, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Aidshilfe Köln haben großen Respekt vor dieser Leistung und persönlichen Überzeugung und wollten dies mit dem Jean-Claude-Letist-Preis zum Ausdruck bringen. 

Der Vorstand der Aidshilfe Köln hat bereits im März beschlossen, Conchita Wurst diesen besonderen Preis anzutragen. Bernt Ide vom Vorstand der Aidshilfe Köln: „Uns hat besonders gefallen, dass Conchita Wurst stets authentisch und überzeugend stets sie selbst blieb. Wir wissen, dass sie vielen Menschen Mut gemacht hat, ohne Scheu ihren Lebensweg zu gehen, auch wenn dieser zunächst nicht der Weg einer Mehrheit ist.“ 

„Ich bin überwältigt, dass ich diesen bedeutenden Preis als erste Person erhalten darf und das obwohl ich nur so bin, wie ich bin und ich bin sicher, diese tolle Veranstaltung legt nur eine kleine Pause ein“, so Conchita Wurst. 

Die Laudatio hielt TV-Moderatorin Bettina Böttinger. Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes hat in Vertretung von Oberbürgermeister Jürgen Roters für die Stadt Köln Glückwünsche übermittelt: „Sie haben mit Ihrem wunderbaren Auftritt als Vertreterin unseres Nachbarlands Österreich beim European Song Contest im vergangenen Jahr gezeigt:

Es lohnt sich, authentisch und selbstbewusst in einem solchen Wettbewerb anzutreten! Mit Ihrer Teilnahme am ESC und mit bis heute ungezählten Auftritten überall in der Welt sind Sie gewissermaßen auch eine Botschafterin - 

eine Botschafterin für eine Welt, in der es nicht mehr wichtig ist, ob Sie den Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft entsprechen. Zugleich sind Sie ein sehr gutes Beispiel und Vorbild für viele Menschen, die nicht prominent sind und die sich den vielen kleinen Herausforderungen ihres Alltags stellen.“

Den Preis für Conchita Wurst hat der Kölner Künstler Hannes Helmke gestaltet. Er hat sich dabei von der Ikone und Jean-Claude Letist inspirieren lassen. „Sie verkörpert eine sehr aktuelle Form der Akzeptanz: Das "sei wie du bist". Also nicht ob Hetero oder Homo, ob Mann oder Frau. Darum habe ich „den Mann im Kleid“ oder „die Frau mit Bart“ aufgegriffen. Wobei ich mich bei Frisur und Bart eher an Fotos von Jean-Claude Letist orientiert habe. Auch ist das Kleid nicht aus jeder Ansicht ein langes Abendkleid. Aus bestimmten Blickwinkeln ist es eher wie ein Junge, der mit beiden Beinen im Leben steht und sich behauptet.“ 

 

In Zukunft wird der Jean-Claude-Letist-Preis besonderen Menschen zu besonderen Anlässen verliehen.

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