HIV-Positiv heute – Mitten im Leben
Sarah

„Für meinen Schwiegervater war ich nicht HIV-positiv, sondern für ihn hatte ich Aids. »Wie kannst du mit meinem Sohn zusammen sein, obwohl du Aids hast?!« Solche Vorwürfe durfte ich mir von ihm anhören. Seine Frau war das komplette Gegenteil. Sie hat mich immer unterstützt.“

„According to my father-in-law I wasn’t HIV-positive but had AIDS. ‚How dare you be together with my son although you suffer from AIDS!‘ Such accusations were common. His wife was completely different. She always got my back.“

Sarah, 52 years old from Lübeck — Occupation: travel agent, mother of a 15-years-old daughter, diagnosed with HIV 25 years ago.

„Pour mon bon-père je n’étais pas séropositive, mais j’avais le sidai. „Comment peux-tu être avec mon fils, alors que tu as le SIDA. Je devais entendre de telles allégations de sa part. Sa femme était le contraire. Elle m’a toujours soutenu.“

Sarah, 52 ans, de LübeckProfession formée: agent de voyages, mère d’une fille de 15 ans, séropositive au VIH depuis 25 ans


لم أكن مصابة بفيروس نقص المناعة البشري بالنسبة لوالد زوجي ، لكنني مصابة بالإيدز. „كيف يمكنك أن تكون مع ابني ، على الرغم من أنك مصابة بالإيدز. كنت اضطلا ان استمع لمثل هذه الادعاءات منه. كانت زوجته عالعكس تماما. كانت دائما تدعمني

سارة سلفادور: 52 سنة من لوبيك
وكيلة سفر ، والدة ابنة عمرها 15 سنة ، مصابة بفيروس نقص المناعة البشرية لمدة 25 عامًا

Sarah, 52 Jahre aus Lübeck

Gelernter Beruf: Reiseverkehrskauffrau, Mutter einer 15-jährigen Tochter, seit 25 Jahren HIV-positiv

Interview

Du warst zehn Jahre positiv, als es doch noch mit einer Schwangerschaft klappte. Wie hat sich dein Leben durch die Schwangerschaft verändert?

Sarah: Ich habe mich während der Schwangerschaft gut gefühlt. Viele meinten, ich hätte noch nie so gut ausgesehen. Doch während ich vorher viel ehrenamtlich bei der Lübecker Aidshilfe geholfen hatte, kapselte ich mich während der Schwangerschaft etwas ab. Da wollte ich noch nicht mal mehr an dem Gebäude vorbeigehen. Ich bin auch nicht in Rückbildungskurse gegangen oder auch erst ganz spät in Krabbelgruppen. Ich habe mich damals selbst stigmatisiert.

Seit 1994 bist du HIV-positiv. Wie lange hat es gedauert, bis du es akzeptiert hast, dass du positiv bist?

Sarah: Ich habe erst 2000 richtig angefangen, mich damit auseinanderzusetzen. Vorher habe ich das etwas auf Seite geschoben und wollte nichts davon wissen.

In welchen Bereichen erlebst du heute noch Diskriminierung oder Stigmatisierung?

Sarah: Ich erlebe mehr Ablehnung im medizinischen als im privaten Bereich. Negative Beispiele im medizinischen Bereich gab es z.B. bei einer Neurologin, als ich im Krankenhaus bleiben musste. Er fragte, ob ich meine HIV-Medikamente dabei habe. Neben mir lag noch eine andere Patientin. Zumindest konnte ich anmerken, dass ich es nicht okay fand, dass sie mich vor einer anderen Patientin geoutet hatte. Im privaten Bereich gab es nur eine ambivalente Situation mit meinen Schwiegereltern. Für meinen Schwiegervater war ich nicht HIV-positiv, sondern hatte Aids. Deswegen sagte er zu mir, nachdem er davon erfahren hatte: „Wie kannst du mit meinem Sohn zusammen sein, obwohl du Aids hast?“  Solche Vorwürfe durfte ich mir von ihm anhören. Meine Schwiegermutter war das komplette Gegenteil. Sie hatte sich sehr gut informiert und mich nicht selten mit neuen Infos versorgt, die ich selbst noch nicht kannte.

Ist deine Infektion im Berufsleben ein Problem gewesen?

Sarah: Nicht wirklich, meine Chefin hatte keine Probleme mit meiner Infektion. Nur als ich schwanger war, wusste sie nicht, ob das denn überhaupt so problemlos möglich ist. Da habe ich sie einfach aufgeklärt. Dann war es okay.


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