HIV-Positiv heute – Mitten im Leben
Marcel

„Wenn ich es Leuten sage, kommt es vor, dass sie dann keinen Sex mehr mit mir wollen. Oder es fängt auch manchmal früher an. Sie wollen nicht mit mir flirten oder küssen, obwohl überhaupt keine Ansteckungsgefahr besteht.“

„When I tell people it happens that they don’t want any sex with me anymore. Sometimes it starts even before. They don’t want to flirt with me or kiss me although there is absolutely no risk in becoming infected.“

Marcel, 30 years old from Köln — He works for the Aidshilfe NRW doing prevention work for the gay community, diagnosed with HIV 10 years ago

„Quand je dis aux gens, il arrive qu’ils ne veulent plus avoir de relations sexuelles avec moi. Ou parfois cela commence plus tôt. Ils ne veulent plus flirter ou m’embrasser, même s’il n’y a aucun risque d’infection.“ 

Marcel, 30 ans, de Cologne , a Aidshilfe NRW, il travaille dans le domaine de la prévention des homosexuels et est séropositif depuis 10 ans.


عندما أخبر الناس ، يحدث أنهم لا يريدون ممارسة الجنس معي بعد ذلك. أو في بعض الأحيان يبدأ في وقت مبكر. لا يريدون المغازلة أو التقبيل معي ، على الرغم من عدم وجود خطر للإصابة على الإطلاق

مارسيل دامس ، 30 عامًا ، من كولونيا
يعمل في ايدز هيلقة في مقاطعة شمال الراين, اعمل وقاية للمثليين , مصاب بفيروس نقص المناعة البشرية منذ 10 سنوات

Marcel, 30 Jahre aus Köln

Arbeitet bei der Aidshilfe NRW in der schwulen Prävention seit 10 Jahren HIV-positiv

Interview

Du gehst sehr offen mit deiner Infektion um, betreibst einen Youtube Kanal. War das für dich schnell nach der Diagnose klar, so offensiv damit umgehen zu wollen und gleichzeitig Aufklärungsarbeit zu leisten?

Marcel:  Als ich meine Diagnose bekomme habe, war es anfangs keine Frage, ob ich mich engagiere, sondern wie ich damit zurechtkomme. Das ging aber relativ schnell, weil ich glaube, gute Leute um mich herum hatte und gut beraten wurde, von Ärzten aber auch von der Aidshilfe. Und dann war für mich klar, dass ich auch an den Bildern arbeiten möchte. Weil ich gemerkt habe, dass mit der Diagnose immer bestimmte Bilder verknüpft sind, die was mit Scham und Schuld zu tun haben, auch oft mit Diskriminierung. Das hat mich dann animiert, etwas dagegen zu tun. Ich wollte eben ein realistisches Bild vom Leben mit HIV zeigen. Man kann gut damit leben und muss sich nicht dafür schämen. Ich habe das dann einfach mal gemacht, aber nicht damit gerechnet, dass das dann irgendwann auch so viele fremde Leute sehen werden.

Du würdest also nicht die These unterstreichen, dass eine HIV-Diagnose zwangsläufig einsam macht?

Marcel: Eine Diagnose kann erst mal einsam machen, wenn man Leute um sich herum hat, die sich abwenden. Aber ich glaube, dass man nicht einsam bleiben wird. Weil man auch Leute finden wird, die ganz normal mit einem umgehen. Vielleicht verändert sich was im Umfeld, das kann schon passieren. Aber dass man allein ist, glaube ich nicht. Dafür gibt es genug kluge und gute Leute, die das nicht als Anlass sehen, um den Kontakt abzubrechen.

In welchen Situationen erlebst du heute noch Diskriminierung oder Stigmatisierung?

Marcel: Ich erlebe persönlich gar nicht so viel Diskriminierung, weil ich auch bei der Aidshilfe NRW arbeite. Es wäre komisch, wenn ich das in meinem ganzen beruflichen Umfeld erleben würde. Und im privaten Bereich habe ich auch Leute um mich herum, die das nicht machen. Es kommt manchmal vor, wenn es um das Thema Sexualität geht. Wenn ich es Leuten sage, wollen sie manchmal keinen Sex mit mir. Oder es fängt auch manchmal früher an. Sie wollen nicht mit mir flirten oder küssen oder wie auch immer, obwohl überhaupt keine Ansteckungsgefahr besteht. Und teilweise wollen sie mir auch absprechen, überhaupt Sexualität ausleben zu dürfen. Ich glaube, Sexualität ist ein Bereich, in dem sehr viele Leute sehr moralisierend werden und dann auch anfangen zu diskriminieren.


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