Liebe Leserin, lieber Leser,

in Zeiten, in denen sogar der künftige amerikanische Präsident den Versuch unternimmt komplexe Zusammenhänge per Twitter (höchstens 140 Zeichen + Bilder) zu erklären, werden längere Texte oft schlicht nicht mehr gelesen. Unsere guten Wünsche für das neue Jahr enthalten daher vorsorglich den Hinweis, dass unsere Arbeit in vielen Fällen nicht mit 140 Zeichen zu erklären ist. Selbst die beliebten Präventionsbotschaften wie „Kondome schützen!“ bedürfen heute des einen oder anderen zusätzlichen Hinweises. Ja, Kondome haben auch weiterhin vor einer HIV-Infektion eine hohe Schutzwirkung, eine gut behandelte HIV-Infektion kann nicht weiter gegeben werden, wenn die sogenannte Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt.

Der Eine oder die Andere haben begonnen HIV-Medikamente einzunehmen, obwohl sie sich nicht mit dem HI-Virus infiziert haben. Die vorsorgliche Einnahme der Medikamente (PreP: https://www.aidshilfe.de/faq-prep) nach einem vorgegebenen Schema (in der Regel Truvada), die Schutzwirkung ist noch höher als mit einem Kondom. Wer unter der PreP auf das Kondom verzichtet, verzichtet insbesondere auch auf den dadurch erreichbaren Schutz einer Infektion mit sexuell übertragbaren Infektionen.

Diese Zusammenhänge noch mit der Botschaft „Kondome schützen!“ zusammenfassen zu wollen, ist zu kurz gegriffen, auch die 140 Zeichen von Twitter reichen für eine umfassende Information nicht aus. Umfassender informieren wir daher im Rahmen der Beratungs- und Testangebote unseres Checkpoint, www.schnell-test.de, aber auch mit unserem Beratungstelefon, Informationsveranstaltungen wie MedInfo im Gespräch und über unsere Homepage und andere Medien.

„Kondome schützen!“ gilt indessen weiterhin als preiswerte und seit vielen Jahren auch erfolgreiche Methode, sich vor einer HIV-Infektion zu schützen oder mit guten Ergebnissen auch eine ganze Reihe von Übertragungen sexuell übertragbarer Infektionen zu vermeiden – wenn auch nicht in jedem Fall. Das Risiko, das sich aus der falschen Benutzung des Kondoms ergibt, ist uns bekannt, seit Kondome nicht bei jeder Anwendung unerwünschte Schwangerschaften verhindert haben. Und es bleibt der Umstand, dass nicht jede und jeder gerne „Sex mit Kondom“ hat. Seien wir also froh um jede neue und zusätzliche Wahl-Möglichkeit!

140 Zeichen wären auch zu wenig Text, um daran zu erinnern, dass in Deutschland längst nicht Jede und Jeder von der eigenen HIV-Infektion oder der bereits erfolgten Infektion mit sexuell übertragbaren Erregern weiß. Bestimmte Infektionen verlaufen symptomlos, seit einiger Zeit überleben die Erreger in manchen Fällen auch die Behandlung nach dem viele Jahre üblichen Schema, da sich mittlerweile auch resistente Keime bei sexuell übertragbaren Infektionen gebildet haben.

Wenn Sie mit den guten Vorsätzen für das neue Jahr auch etwas für die eigene Gesundheit tun möchten, so haben Sie eine Auge auf Ihr Sexualleben und überprüfen im Zweifel, ob es zu einer Infektion gekommen ist – nicht nur, wenn es juckt und brennt! Dabei kann Ihnen die Beratung im Rahmen unseres Angebots im Checkpoint, ohne Anmeldung und anonym in den Abendstunden von 19:00-22:00 Uhr (Mo-Do) mit den erforderlichen Informationen sicher helfen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen guten Start in das gerade angebrochene neue Jahr, wünschen Ihnen viel Spaß und Freude – auch beim Sex – und greifen gerne noch einmal eine Präventionsbotschaft aus vergangenen Jahren auf, deren Überschrift „lieber nichts vermuten!“ hieß. Wenn Sie sich selbst schützen, so, wie es für Sie genau passend ist, dann ist das in jedem Fall die beste Methode. Und wenn Sie für eine Entscheidung Unterstützung benötigen: wir informieren und beraten Sie gerne – seit über dreißig Jahren!

Machen Sie es gut und bleiben Sie uns gewogen!

Beste Neujahrsgrüße von allen Vorständen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Aidshilfe Köln,

Ihr Michael Schuhmacher

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